Waldkindergarten – die Naturpädagogik und Waldpädagogik

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In Deutschland gibt es über 1.000 Waldkindergärten. Aber was ist eigentlich ein Waldkindergarten? Welches Konzept steckt dahinter? Wie sieht der Alltag in einem Waldkindergarten aus? Welches Menschen Bild steckt hinter dem pädagogischen Konzept? In diesem Beitrag schauen wir uns die Waldpädagogik und Naturpädagogik in dem Konzept von Waldkindergärten an.

Inhaltsverzeichnis

Waldkindergarten und Waldpädagogik - Was ist das?

Wie der Name schon erahnen lässt sind Kindergärten mit diesem Themenschwerpunkt und Konzept der Natur und dem Wald sehr verbunden. Ein Großteil der Zeit verbringen Waldkindergärten in der Natur und dem Wald, frei nach dem Motto; es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung. Was das genau bedeutet, welche Ziele verfolgt werden und wie das konkret in der Praxis aussieht, werde ich gleich noch genau darstellen.

Da es aufgrund des ähnlichen Namens häufig zu Verwechslungen und Missverständnissen kommt, muss an dieser Stelle erwähnt werden, dass die Waldorfpädagogik etwas ganz anderes ist als die Natur- und Waldpädagogik. Zur Waldorfpädagogik findest du hier ein ausführliches Video.

Waldkindergarten Waldpädagogik

Das Konzept der Natur- und Waldkindergärten handelt nach dänischem Konzept, dort sind Einrichtungen dieser Art weiter verbreitet und schon eine lange Zeit etabliert. In Deutschland wurde 1993 der erste Waldkindergarten mit staatlicher Anerkennung eröffnet, vorab gab es ausschließlich private und eigenfinanzierte Projekte dieser Art. Aber auch heute sind viele Waldkindergärten durch Elterninitiativen finanziert. Wenn du noch mehr Informationen haben möchtest, dann schau doch mal beim Bundesverband der Natur- und Waldkindergärten vorbei. Schauen wir uns jetzt an, wie der Alltag in einem Natur- und Waldkindergarten aussehen kann.

Umsetzung des Konzepts Waldkindergarten

Die pädagogische Praxis in Waldkindergärten ist natürlich von Einrichtung zu Einrichtung total unterschiedlich. Dennoch gibt es grundlegende Punkte, die in den meisten Einrichtungen ähnlich sind.
So ist da logischerweise zum einen die Natur- und Waldverbundenheit. Diese äußert sich so, dass der Alltag im Wald verbracht wird. Die Kinder werden in der freien Natur empfangen, dort finden die in Anführungsstrichen „Stuhlkreise“ statt, in Form von Sitz oder Stehkreisen. Es wird in der Natur gegessen und auch die Angebote, das Freispiel und weitere Erfahrungen und Erlebnisse werden in der freien Natur gesammelt. Das ganze bei Wind und Wetter, also bei 30 Grad Sonne, bei Regen und auch bei Schnee und Frost im Winter. Dennoch gibt es in Wald- und Naturkindergärten in der Regel auch eine feste beheizte Rückzugsmöglichkeit. Meist in Form eines Bauwagens. „Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung“ wird zwar wirklich sehr ernst genommen, aber bei wirklich extremen Wetterbedingungen wird auf die feste Rückzugsmöglichkeit zurückgegriffen.

Es gibt Abstufungen in der Intensität von Natur- und Waldkindergärten. Einige Kindergärten funktionieren also auch wie Regeleinrichtungen, mit festem Gebäude und diese dann einen festen Waldtag in der Woche haben. Oder Einrichtungen, welche einmal im Monat eine Waldwoche haben. 

Der Alltag in einem Waldkindergarten

Der Alltag gestaltet sich vor allem erlebnisorientiert. Es geht also darum, die lebensnahen Dingen aus der Natur und dem Wald zu erfahren und mit allen Sinnen zu erleben. Man schaut sich keinen Baum mit bunte Blättern im Bilderbuch an, sondern man erfährt und erlebt dies mit allen Sinnen in der Natur. Welche Themen behandelt werden, was gerade ansteht und wie darauf eingegangen wird, ergibt sich häufig aus dem, was passiert. Ein spannender Baum, ein bunter Käfer, ein Staudamm im Bach können dann zum Tagesthema werden. Die pädagogischen Fachkräfte begleiten dabei, geben Informationen und entdecken gemeinsam mit den Kindern die Natur und den Wald. Es wird zusammen experimentiert und entdeckt. Neben einer pädagogischen Ausbildung ist hier natürlich auch ein Interesse und ein Fachwissen über die Natur- und den Wald von großem Vorteil und Nutzen.

Waldkindergarten

Animistisches Denken - Was ist das?

Bei Kindern aus Natur- und Waldkindergärten ist das animistische Denken häufig sehr ausgeprägt. Das animistische Denken beinhaltet den Glauben daran, dass die Natur eine Seele mit Gefühlen hat. Dieses Denken ist allgemein bei jungen Kindern verbreitet und gängig.
Beispielsweise denken Kinder welche animistisch denken nicht nur, dass es vielleicht schlecht ist einen Baum zu fällen. Sondern sie würden davon berichten, dass dies dem Baum weh tut, es dem ganzen Wald weh tut und die Sprösslinge um den gefällten Baum herum vielleicht seine Kinder sind, welche jetzt trauern. In der Natur- und Waldpädagogik führt diese Denkhaltung vor allem auch dazu, dass eine emotionale Verbundenheit zu Natur und Umwelt geschaffen wird, sich die Kinder für die Natur und die Erhaltung einsetzen und wertschätzend mit ihr umgehen.

Waldpädagogik animistisches Denken

Bild vom Kind in der Waldpädagogik und Waldkindergarten

Die frühe Kindheit wird in der Waldpädagogik als eigenständige Lebensphase gesehen. Also nicht nur als eine Übergangsphase zum Erwachsenenalter, das Kind ist also kein unfertiger Erwachsener oder ähnliches. Das Kind wird als eigenständiger und kompetenter Mensch mit eigenen Interessen angesehen, welcher wachsen möchte, nach Entwicklung und Wissen strebt und gerne Erfahrungen sammelt. Kindern wird also etwas zugetraut und angemessene Eigenverantwortung übertragen. Für all das sind vor allem Freiraum und Entfaltungsmöglichkeiten notwendig. Dies wird nicht nur bloß so gesehen, sondern ganz klar als ein Recht des Kindes definiert.

Ziele der Waldpädagogik und Naturpädagogik

Das übergeordnete Ziel in der Wald- und Naturpädagogik ist die Verbundenheit und Wertschätzung zur Natur und unserer Umwelt. Grundlegend in diesem pädagogischen Ansatz ist dabei das erlebnisorientierte Lernen, also das Erleben mit möglichst allen Sinne, durch das Tun und Handeln und wahrnehmen der Umwelt. Dabei soll der Mensch natur- und umweltschonende Lebensweisen und eine Achtsamkeit der Natur gegenüber entwickeln. Dies fällt unter den Bereich der Bildung für nachhaltige Entwicklung. In Wald- und Naturkindergärten wird viel gemeinsam entdeckt und erlebt, daher kann als ein Ziel auch das kooperative Handeln mit Mitmenschen angesehen werden. Das kooperative Handeln mit Kindern, Erwachsenen wie pädagogischen Fachkräften, aber auch all das im Einklang mit Natur und Umwelt.

Waldkindergarten Waldpädagogik ZIele

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