Tarifverhandlungen im öffentlichen Dienst – endlich gibt es einen Tarifabschluss

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In den seit Monaten andauernden Tarifverhandlungen ist es endlich zu einer Einigung gekommen. Dies betrifft die rund 2,5 Millionen Beschäftigten des öffentlichen Dienstes. Darunter auch hunderttausende pädagogische Fachkräfte wie Erzieherinnen und Erzieher. Das Ergebnis zählt auch für Auszubildende, Studierende und Co. In diesem Beitrag wollen wir uns die Einigung anschauen und ich werde anhand einer Rechnung zeigen, wie sich diese auf das Gehalt einer Erzieherin auswirkt.

Inhaltsverzeichnis

Tarifeinigung - ein paar Vorabinfos

Ich bin in vielen vorherigen Videos auf dem YouTube Kanal ja schon auf die ausgehenden Tarifforderungen, die Zwischenangebote, das Scheitern der Tarifverhandlungen und auch auf die Schlichtung eingegangen. In diesem Beitrag werde ich direkt mit dem Ergebnis der Tarifverhandlungen und der Tarifeinigung starten. Am Ende des Beitrags zeige ich anhand einer Beispielrechnung, was die Einigung für ein Erziehergehalt konkret bedeuten kann. Wichtig ist zu wissen und zu beachten, dass dieses Ergebnis ausschließlich die Beschäftigten des öffentlichen Dienstes betrifft und nicht alle pädagogischen Fachkräfte.

Tarifverhandlungen - die Tarifeinigung für den öffentlichen Dienst

Steuerfreie Inflationsausgleichszahlung in Höhe von 3.000€

Für die Beschäftigten des öffentlichen Dienstes wird es im Rahmen der Tarifeinigung eine Inflationsausgleichszahlung von insgesamt 3.000€ geben.  Diese Zahlung wird jedoch aufgeteilt, im Juni 2023 gibt es 1.240€ netto ausgezahlt.

Von Juli 2023 bis Februar 2024 (also über 8 Monate) werden steuerfrei monatlich 220€ auf das bisherige Gehalt aufgeschlagen. Das Ganze gilt für Vollzeitbeschäftigte. Für Personen mit weniger Wochenstunden reduziert sich diese Zahlung natürlich prozentual. Rechnet man diese Summen zusammen, kommt man eben bis zum Februar 2024 auf die Höhe von steuerfreien 3.000€. Für Auszubildende und Co. kann man quasi diese Angaben einmal halbieren. Sie erhalten im Juni 2023 620€, von Juli 2023 bis Februar 2024 monatlich 110€ netto aufs Gehalt, sodass diese auf eine Gesamtzahlung von 1.500€ kommen.

Sockelbetrag 200€ und 5,5% mehr Gehalt

Zusätzlich zu den 3.000€ erhalten die Beschäftigen des öffentlichen Dienstes einen
Sockelbetrag in Höhe von 200€ . Sockelbetrag heißt, dass dieses Geld in der Höhe wirklich alle Beschäftigten nach TVÖD bekommen. Zusätzlich dazu gibt es eine prozentuale Erhöhung von 5,5%. Dies gilt jedoch erst ab dem 01.03.2024, also nachdem die 3.000€ Inflationsausgleichszahlung gezahlt wurde.

Laufzeit beträgt 24 Monate

Die Laufzeit des Tarifabschlusses für den öffentlichen Dienst beträgt 24 Monate, also 2 Jahre. Diese zählt ab dem 01.01.23 und endet zum 31.12.2024. Dies wird von einigen Seiten auch als klare Schwäche und sogar deutlicher Nachteil der Tarifeinigung angesehen.

Es bedeutet nämlich, dass die Zahlungen und Erhöhungen sich über diesen Zeitraum strecken, sie also quasi „verwässert“ werden. Es gibt nicht jetzt aktuell wo die Energiekrise und Inflation in vollem Gange ist die volle Höhe des Geldes, sondern über einen Zeitraum von mehreren Monaten.

Wie ist der Tarifabschluss im öffentlichen Dienst einzuordnen?

Die Einigung ist ein absolut historisch hohes Tarifergebnis. Es muss aber direkt erwähnt werden, dass auch die Inflation aktuell auf historischem Rekord liegt, im negativen Sinne.
Viele Personen haben richtige Schwierigkeiten Dinge des alltäglichen Lebens zu bezahlen. Es wird zwar aktuell von einer Inflation in Höhe von knapp 7,5% gesprochen, jedoch sind da auch viele Faktoren drin, welche die Inflation niedrig halten. Die Inflation für Lebensmittel lag im März beispielsweise bei 22,3%. Lebensmittel waren im März 2023 also im Schnitt 22,3% teurer als noch im März 2022.

Da ist natürlich die Frage wie akzeptabel die Laufzeit von 24 Monaten ist, wenn das Geld jetzt gebraucht wird?

Tarifeinigung öffentlicher Dienst - Beispielrechnung Gehalt Erzieherin

Schauen wir uns jetzt aber einmal an, was die Einigung genau bedeutet und welche
Auswirkungen sie auf das Gehalt hat. Dazu gibt es hier eine Beispielrechnung für eine Erzieherin:

Wir gehen von einer Vollzeitstelle einer Berufsanfängerin aus. Diese wird im TVÖD in Entgeltgruppe S8a und Stufe 1 eingruppiert und erhält aktuell, ohne Berücksichtigung der Einigung ein brutto Monatseinkommen von knapp 2.931,61€.

Laut Brutto Netto Rechner bedeutet das für Steuerklasse 1 ein Nettogehalt von ca. 1.970€. Dieser Betrag wird also ausgezahlt.

Zu diesem Gehalt gibt es laut Einigung im Tarifabschluss des öffentlichen Dienstes im Juni 2023 also 1.240€ netto dazu und ab Juli 2023 bis Februar 2023 220€ netto monatlich mehr. Sie würde also bis einschließlich Februar 2024 ein monatliches Netto von knapp 2190€ erhalten.

Ab März 2024 greift dann der Sockelbetrag + die 5,5% Erhöhung. Die Rechnung dazu sieht wie folgt aus:

Sie hat ein ursprüngliches Bruttogehalt von 2.931,61€. Dazu gibt es dann den Sockelbetrag in Höhe von 200€. Entspricht dann einem Bruttogehalt von 3.131,61€.
Hinzu kommen 5,5% Erhöhung, wo wir bei einem Bruttogehalt in Höhe von 3.303,85€ sind. Brutto gibt es also eine monatliche Erhöhung von knapp 372€.
Rechnet man die Gehaltssteigerung in Prozent aus, dann kommt man auf ein Ergebnis von +12,7%.

Beispielrechnung Erzieherin - wie viel Netto kommt wirklich an?

Das Nettogehalt ist hoch individuell und von verschiedenen Faktoren abhängig, da das Nettogehalt aber das Gehalt ist was auf dem Konto landet und das die meisten besonders interessiert, habe ich die Zahlen in einen Brutto Netto Rechner eingegeben. Ausgehend von Vollzeitarbeit und Steuerklasse 1 gibt es dann ein Ergebnis von knapp 2.177€ netto.
Stellt man dem das ursprüngliche Nettogehalt in Höhe von 1.970€ gegenüber, dann liegt der Nettomehrverdienst bei etwa 200€.

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