Als Resilienz wird die psychische Widerstandsfähigkeit des Menschen beschrieben. In diesem Beitrag schauen wir uns das Thema einmal genauer an. Wie Resilienz entsteht, was sie ausmacht und wie du als pädagogische Fachkraft die Resilienz bei Kindern ganz einfach gezielt fördern kannst.
Inhaltsverzeichnis
Was ist Resilienz?
Als Resilienz wird die Widerstandsfähigkeit von Menschen beschrieben. In Bezug auf die Pädagogik und Psychologie insbesondere die psychische Widerstandsfähigkeit. Die Resilienz bezeichnet also die Fähigkeit eines Menschen, mit Herausforderungen, Stress oder Misserfolgen umzugehen, sich davon zu erholen und durch diese Erfahrungen im besten Fall sogar gestärkt herauszugehen.
Bei Kindern und Jugendlichen im Bereich der Pädagogik, bezieht sich die Resilienz auf ihre Fähigkeit, Entwicklungsrisiken erfolgreich zu bewältigen und sich trotz widriger Umstände positiv zu entwickeln. Die Resilienz ist auf alle Menschen anwendbar, von Kindern, über Jugendliche, Erwachsene und auch sehr alte Menschen können von dem Konzept etwas für ihr Leben mitnehmen. Es geht also nicht rein um pädagogische und psychologische Interventionen im Kontext der Arbeit. Besonders für Erzieherinnen und Erzieher kann der Aufbau psychischer Widerstandsfähigkeit sehr sinnvoll sein.
Wie entwickelt sich Resilienz?
Resilienz ist kein statischer Zustand, sondern ein dynamischer Prozess, der sich im Laufe des Lebens eines Individuums entwickelt. Es handelt sich also um keine
angeborene, festgeschriebene und unveränderbare Fähigkeit. Die Entwicklung der Resilienz kann in eine positive, aber auch in eine negative Richtung geschehen. Ein Mensch kann also Resilienz im Laufe des Lebens aufbauen, jedoch auch abbauen.
Die Entwicklung von Resilienz wird durch das Zusammenspiel von genetischen
Faktoren, Umweltbedingungen und persönlichen Erfahrungen beeinflusst. Positive Beziehungen zu verlässlichen Erwachsenen in der Kindheit, die Förderung von Selbstwirksamkeit und das Erlernen von Bewältigungsstrategien sind entscheidend für die Entwicklung von Resilienz beim Menschen. Eng mit dem Begriff der Resilienz
verwandt ist das Salutogenese Modell nach Antonovsky, du findest hier auf der Website dazu auch schon einen ausführlichen Beitrag.
Säulen und Faktoren der Resilienz
Die Säulen der Resilienz umfassen verschiedene Schlüsselkomponenten, die dazu beitragen, dass Menschen psychische Widerstandsfähigkeit entwickeln und diese aufrechterhalten können. Es gibt jedoch kein einheitliches Konzept, in manchen Büchern wird von 6 Säulen gesprochen, in anderen von 7 Säulen. Diese Inhalte sind jedoch sehr ähnlich. Schauen wir uns die 6 wichtigsten Punkte an. Im Anschluss gebe ich dir praktische Anknüpfpunkte, wie du auf Grundlage der Theorie die Resilienz von Kindern fördern kannst.
6 Dinge um die Resilienz von Kindern zu fördern
Zu den wichtigsten Punkten gehört die Förderung von Selbstwahrnehmung beim Menschen, er muss lernen sich selbst und die Signale der Körpers zu erkennen und zu deuten. Ein elementarer Bestandteil psychischer Gesundheit ist das Gefühl von
Selbstwirksamkeit, der Mensch muss das Gefühl haben, dass er etwas in seinem
Leben bewirken kann. Besonders in Krisen und herausfordernden Situationen ist diese Zuversicht der Selbstwirksamkeit enorm wichtig, ansonsten denkt der Mensch, dass die negative Situation unveränderbar ist und es möglicherweise für immer so bleibt.
Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Selbststeuerung und Impulskontrolle, dabei geht es darum, dass der Mensch lernt sich selbst zu regulieren. Dazu gehört auch
allgemein der Umgang mit Stress. Eng damit verbunden sind die Problemlösefähigkeiten des Menschen – welche Bewältigungsstrategien hat der
Mensch erlernt? Welche wendet er an? Der Mensch ist ein soziales Wesen und auf
seine Mitmenschen angewiesen, daher sind auch soziale Kompetenzen elementar. Ein konstruktives soziales Miteinander ist für die psychische Gesundheit wichtig.
Resilienz bei Kindern fördern als ErzieherIn
Pädagogische Fachkräfte sollten Kindern zu selbständigem Handeln und zum Treffen eigener Entscheidungen ermutigen. Dies fördert die Selbstwirksamkeitserfahrungen und damit das Gefühl Dinge im Leben unter Kontrolle zu haben. Das Ganze sollte natürlich entsprechend des Alters- und Entwicklungsstandes geschehen. Außerdem lässt sich hier super an die Partizipation anknüpfen, Kinder in Entscheidungsprozesse einzubeziehen ist immer gut.
Vermittlung von Problemlösungsfähigkeiten
In der Kita gibt es immer wieder Konflikte und für Kinder herausfordernde Situationen. Und wenn es nur der Streit um einen Buntstift ist. Hier kann und sollte angeknüpft werden. Die pädagogische Fachkraft sollte Techniken und Strategien vermitteln um Konflikte konstruktiv zu bewältigen.
Entwicklung von Bewältigungsstrategien
Es kommt aber auch immer wieder zu Enttäuschungen, Stress und Herausforderungen für Kinder. Hier sollten die emotionalen Kompetenzen gefördert werden. Das Kind sollte nicht alleine gelassen werden mit seiner Enttäuschung und den negativen Emotionen. So lernt es durch Bewältigungsstrategien, dass es Lösungen für schlechte Gefühle gibt. Eine kurze Auszeit um runterzukommen (natürlich nicht als Strafe), körperliche Aktivität und körperliches auspowern? Kreative Arbeiten wie Bilder malen oder etwas basteln? Gespräche? Es können also Techniken und Strategien mit dem Kind erprobt werden um Stress besser bewältigen zu können.
Positive Beziehungen zu Mitmenschen
Positive zwischenmenschliche Beziehungen stärken die Resilienz, der Mensch weiß dann, dass er nicht alleine ist. Für Kinder können das die Erzieherinnen und Erzieher in der Kita sein, aber logischerweise auch die Eltern, Geschwister, Freunde, Bekannte und so weiter. Fachkräfte können eine positive Atmosphäre der Wärme und Akzeptanz schaffen, sodass das Kind weiß, dass es sich auf seine Bezugspersonen verlassen kann, sich sicher und verstanden fühlt.
Schaffung von Erfolgserlebnissen
Erfolgserlebnisse fördern das Selbstvertrauen, das Selbstwertgefühl und auch die Selbstwirksamkeitserfahrungen. Diese Erfahrungen sind enorm wichtig für Kinder und können auch schon im kleinen Rahmen stattfinden, es muss nicht immer die große Bühne und ein vorgeführtes Theaterstück sein, auch schon eine positive Rückmeldung und ein authentisches Lob von einer Erzieherin kann ein großes Erfolgserlebnis sein. Diese Situationen sollten bewusst geschaffen werden.
Resilienz fördern in der Kita
Resilienzförderung in der frühkindlichen Bildung ist ein proaktiver Ansatz, der
Kindern hilft, die Grundsteine für ein erfülltes und widerstandsfähiges Leben zu legen. Durch die gezielte Förderung der Resilienz können Erzieherinnen und Erzieher Kinder dabei unterstützen, sich zu starken, selbstbewussten und anpassungsfähigen Menschen zu entwickeln.
Über den Autor: Simon Wieking
Simon Wieking ist Gründer des Erzieherkanals – Deutschlands größter Online-Lernplattform für angehende pädagogische Fachkräfte. Der ausgebildete Erzieher hat ein Bachelor Studium in Pädagogik und ein Master Studium in Bildung und Gesundheit abgeschlossen. Mehr als zehn Jahre Berufserfahrung in Kita, Erwachsenenbildung und als Lehrbeauftragter an einer Bochumer Universität.
Mit dem Erzieherkanal verbindet Simon Theorie und Praxis auf eine praxisnahe, leicht verständliche Weise. Sein Ziel ist es, Auszubildenden und Fachkräften komplexe Inhalte verständlich aufzubereiten und sie optimal auf ihre Ausbildung und die Arbeit in der Praxis vorzubereiten.