Reggio Pädagogik – Ziele, Raum, Ansatz und Co

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Der Ansatz der Reggio Pädagogik stammt aus Italien. „Der Raum als dritter Erzieher“ ist wohl der bekannteste Leitsatz des pädagogischen Ansatzes der Reggio Pädagogik. Aber was steckt eigentlich hinter der Reggio Pädagogik? Welches Ziel verfolgt der Ansatz? Welche Grundsätze gelten? Und wie wir das pädagogische Konzept der Reggio Pädagogik in der Praxis umgesetzt? In diesem Beitrag wollen wir uns das genau anschauen.

Inhaltsverzeichnis

Entstehung und Idee

Die Reggio Pädagogik kommt ursprünglich aus Italien und beschreibt eine dort gängige Praxis und Konzeption in Kindertageseinrichtungen. Die Reggio Pädagogik lässt sich als eine pädagogische Grundhaltung dem Kind gegenüber beschreiben. Der Ansatz verfolgt keinem starren Handbuch, welches das Handeln eines Reggiopädagogen oder einer Reggiopädagogin detailliert beschreibt. Das Konzept charakterisiert sich durch Offenheit, Optimismus und Ganzheitlichkeit.

Reggio Pädagogik

Bild vom Kind in der Reggio Pädagogik

Das Kind wird als Konstrukteur seiner eigenen Entwicklung, seines Könnens und seines Wissens angesehen. Es hat von Natur aus die Neugierde und Wissbegierde Dinge aus seiner Umwelt zu erforschen und durch Versuch und Irrtum zu ergründen. Dabei wird dem Kind die Freiheit gewährt zu entscheiden, was für die eigene Entwicklung sinnvoll ist. Thema ist dabei das, was das Kind interessiert. Das Kind weiß also am Besten, wann es bereit ist für ein Thema.

Identität und Gemeinschaft

Das Kind wird in seiner Identität als ein vollständiger (aber sich entwickelnder) Mensch angesehen, genauso wie der Erwachsene. Der Mensch ganz allgemein wird in der Reggio Pädagogik als ein Mitglied kooperativer Gemeinschaften verstanden. Gemeinschaften wie die Familie, die Nachbarschaft, der Kindergarten, der Stadtteil, die Stadt und so weiter. Die Qualität der Gemeinschaft entsteht durch die Kompetenzen und Vielfalt der Einzelnen, also aus der Individualität und Identität der Menschen.

Reggio Pädagogik

Vorstellung von Bildung und Lernen

Bildung wird in der Reggio Pädagogik so verstanden, dass sie eine Auseinandersetzung mit der eigenen Person beinhaltet, eine Auseinandersetzung mit anderen Personen, eine Auseinandersetzung mit der Umwelt und Lebenswelt und eine intensive interaktive Beziehungen zwischen den genannten Punkten. Also mit sich selbst und anderen und der Umwelt. Umwelt und Wahrnehmung wird so verstanden, dass ein Kind davon eine Wahrheit hat, ein anderes Kind eine andere Wahrheit und Erwachsene vielleicht noch eine weitere Wahrheit. Wahrheit ist dabei in Anführungszeichen zu setzen. Es ist der eigene Standpunkt, die eigenen Erfahrungen, die eigenen Interessen. (Hier lässt sich passend auf den Konstruktivismus hinweisen.) Aus diesem Schluss lässt sich auch die Grundhaltung begründen, dass das Kind selbst weiß, was es lernen will und was für ihn sinnvoll ist. Gelernt wird durch die Auseinandersetzung mit der sozialen und gegenständlichen Umwelt, dies wird als entdeckendes Lernen beschrieben.

Bedeutung von Projekten in der Reggio Pädagogik

Projektarbeiten sind das Herzstück der Reggio Pädagogik. Das Kind eignet sich spielerisch die Welt an. Die Projekte entstehen zum größten Teil aus den Gedanken, Fragen oder Gesprächen, welche die Kinder in die Einrichtung tragen. Nicht immer kommen direkt Ideen von den Kindern für Projekte. zum Teil ist es die Aufgabe der Fachkräfte die Interessensgebiete zu erkennen und daran mit Projektarbeit anzuknüpfen. Dabei ist es allerdings wichtig, lediglich Ideen und Impulse zu setzen, keine vorgefertigten Endergebnisse. Möchtest du zu diesem Thema mehr erfahren? Dann klicke HIER, dort findest du einen ausführlichen Beitrag zum Situationsansatz.

Die Projektarbeit in der Reggio Pädagogik charakterisiert sich durch einen roten Faden. Keinen bis ins kleinste Detail geplanten Fahrplan, sondern lediglich eine Strukturhilfe. Dies wird so gehandhabt, um auf das Kind im Prozess des Projekts bestmöglich individuell und flexibel eingehen zu können.

Rolle der Fachkraft in der Reggio Pädagogik

In der Reggio Pädagogik gibt es keine Abstufung zwischen dem Erwachsenen als wissenden, vollständigen und erklärenden Menschen und dem Kind als unvollständigen und unwissenden Menschen. Das Kind ist eine Persönlichkeit mit voller Energie und im Besitz vielfältiger Potenziale, welche entwickelt werden wollen. Das Kind interessiert sich für Thematiken und möchte Dinge lernen und der Erwachsenen (in seiner Rolle als Erzieher oder Erzieherin) begleitet ihn dabei. Die Eltern werden als die Experten ihrer Kinder angesehen. Sie haben sie ihr Leben lang begleitet und kenne sie besser als jede andere Person. Die Erzieherin oder der Erzieher wird als Wegbegleiter, Forscher und/ oder Zeuge verstanden. Der Begriff Erzieherin oder Erzieherin wird in diesem Ansatz ungerne gewählt, am häufigsten wird der Begriff des Begleiters genutzt, da das Kind als eigentlicher Akteur und Konstrukteur angesehen wird.

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Raum als dritter Erzieher in der Reggio Pädagogik

„Der Raum als dritter Erzieher“ ist eines der bekanntesten Zitate aus der Reggio Pädagogik. Der Raum ist Teil des pädagogischen Konzept. Er hat zwei Hauptaufgaben dem Kind gegenüber, einerseits Geborgenheit zu bieten, andererseits Herausforderungen zu schaffen.

Die Gestaltung der einzelnen Räume ist allerdings nicht fest vorgeschrieben, es gibt viele Varianten. Es werden beispielsweise Räume beschrieben mit tiefen Fenstern die bis zum Boden reichen, damit soll eine Abgrenzung zur Umwelt abgebaut werden. Mit dem Raum ist ebenfalls mehr als der Raum an sich gemeint. Der Raum beinhaltet ebenso die Straße, den Stadtteil, die Stadt und so weiter.

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