Emmi Pikler – die Pikler Pädagogik

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Emmi Pikler war eine ungarische Kinderärztin und hat einen eigenen pädagogischen Ansatz entwickelt; die Pikler Pädagogik. Aber welche Idee steckt hinter dem Ansatz nach Emmi Pikler? Welches Ziel verfolgt die Pikler Pädagogik? Wie ist das Bild vom Kind? Und was sind die Grundsätze? In diesem Beitrag schauen wir uns die Pädagogik nach Emmi Pikler genau an.

Inhaltsverzeichnis

Wer war Emmi Pikler?

Emmi Pikler wurde am 9 Januar 1902 in Wien geboren. Ihr Vater war Handwerker, ihre Mutter war Kindergärtnerin. Sie selbst entschied sich jedoch dazu, Medizin zu studieren und wurde Kinderärztin. Die Pädagogik nach Pikler ist für den gesamten Bereich der Pädagogik relevant und von Bedeutung. Jedoch können die Inhalte, Grundsätze und Ideen vor allem auf den Bereich der Krippenpädagogik angewandt werden. Emmi Pikler hatte schon früh gewissen Vorstellungen über die kindliche Entwicklung und die Abläufe eben dieser. Diese verfestigten sich mit der Geburt ihrer Tochter. Sie entschied ihrer Tochter größtmögliche, kind- und altersgerechte Freiheiten einzuräumen, dies immer mit dem Ziel eine gesunde Entwicklung für ihre Tochter zu ermöglichen. Diese Grundsätze sind Bestandteil der Pädagogik nach Emmi Pikler.

Emmi Pikler Pädagogik

Ziele der Pädagogik nach Emmi Pikler

Das ganz grundlegende Ziel der Pädagogik nach Emmi Pikler ist die Ermöglichung der gesunden Entwicklung des Kindes. Gesunde Entwicklung kann vieles bedeuten, deswegen schauen wir uns einmal genauer an, was Emmi Pikler sich darunter vorstellt. Pikler war der Auffassung, dass in der Entwicklung nichts beschleunigt werden muss. Das Kind sollte also nicht unter Druck gesetzt werden, etwas schnell zu schaffen oder zu lernen. Emmi Pikler vertrat die Ansicht, dass sich Kinder am besten entwickeln, wenn man ihnen Raum und Zeit dafür lässt. Werden Kinder unter Druck gesetzt, ist dies schädlich, es wird genau das Gegenteil erreicht; die gesunde Entwicklung des Kindes wird nicht beschleunigt, sondern gehemmt. Hier wird von der Möglichkeit der ungestörten Entfaltung des Kindes gesprochen. Wie dies genau möglich ist, schauen wir uns jetzt an.

Emmi Pikler Pädagogik

Grundsätze in der Pädagogik nach Emmi Pikler

Neben den eben schon kurz angeschnittenen Punkten gibt es weitere Grundsätze und Grundpfeiler im pädagogischen Ansatz der Pädagogik nach Pikler. Als oberstes Ziel gilt ja die Ermöglichung zur gesunden Entwicklung des Kindes. Diese wird geprägt durch die Beziehung und Bindung zwischen pflegender Person und dem Kind. An dieser Stelle wird von der achtsamen und beziehungsvollen
Pflege gesprochen. Als achtsame Pflege wird nicht nur die Pflege als solches verstanden. Es geht vor allem auch darum, mit dem Kind im Dialog zu sein, dem Kind achtsam und wertschätzend zu begegnen. Dabei sollen die Bedürfnisse und Impulse des Kindes wahrgenommen und vor allem durch Kontinuität in den Abläufen ein sicherer Rahmen zu ermöglicht werden. In den Pflegesituationen, bspw. beim Wickeln sollten Handlungen sprachlich begleitet werden.

Freie Entfaltungsmöglichkeiten für das Kind

Ein großer Begriff in der Pädagogik nach Emmi Pikler die freie Entfaltungsmöglichkeit des Kindes. Dazu zählt ganz elementar die Motorik und Bewegung des Kindes. An dieser Stelle finde ich das Zitat von Emmi Pikler sehr passend;

„Ein Säugling fördert sich selbst von früh bis spät. Ihn zum Sitzen oder Stehen aufzurichten ist nicht nur überflüssig, sondern schädlich.“

Dabei geht es um den schon eben genannten Punkt; Kinder sollten nicht unter Druck zu etwas bewegt werden, sie entwickeln sich am besten, wenn man ihnen Raum und Zeit dafür gibt. Das freie Spiel und die freien Möglichkeiten zum Spiel sind ebenfalls ein elementarer Teil der Pädagogik nach Pikler.

Pikler wies immer wieder auf die vom Kind ausgehende aktive Bewegungsentwicklung und das eigenständige Spiel des Kindes hin. Diese Bewegungsmotivation muss nicht erst durch aufwändige Überzeugungskraft geschaffen werden, sie wohnt in dem Kind inne, daran sollte angeknüpft werden. Das kann beispielsweise dadurch gelingen, dass verschiedene Bewegungsmöglichkeiten und Herausforderungen zur Verfügung gestellt werden. Das Kind darf sich räumlich und zeitlich daran ausprobieren, ohne dass es einem Druck ausgesetzt wird. Wenn es etwas schafft, dies langweilig wird, dann wird sich das Kind eine neue Herausforderung suchen. Dabei wird das Kind Spaß und Freude empfinden und vor allem findet so eine natürliche und äußerst konstruktive Entwicklungsförderung des Kindes statt. Die vom Kind ausgehende aktive Bewegungsentwicklung kann beispielsweise durch unbequeme und zu enge Kleidung gehemmt werden, darauf sollte geachtet werden. Zusätzlich sollte einfach die Möglichkeit und der Raum für Kinder bestehen, diesem Bewegungsdrang nachgehen zu können.

Bild vom Kind in der Pädagogik nach Emmi Pikler

Emmi Pikler misst dem Bild vom Kind eine großen Bedeutung zu. Es wirkt sich maßgeblich auf die kindliche Entwicklung aus, wie das Kind gesehen wird. In der Pädagogik nach Pikler wird das Kind als kompetentes Wesen beschrieben, welches eigenständig und aktiv die Umwelt verstehen und begreifen möchte. Das Kind ist von Natur aus friedlich und neugierig.

Pikler betonte immer wieder, dass es einen negativen Einfluss auf das Kind hat, wenn es als inkompetent und unfertig angesehen wird und erwachsene Personen das Kind bevormunden und ihm zeigen, wie etwas zu funktionieren hat. Vor allem bei kleinen Kind sind die Pflegesituationen von großer Bedeutung, diesen sollte ein pädagogischer Anteil beigetragen werden, beispielsweise durch die eben schon erwähnten sprachlichen Begleitungen.

Pikler Pädagogik Bild vom Kind

Eine sinnbildliche Situation für das Bild vom Kind, ist der Sturz eines Kindes. Fällt ein Kind hin, dann sollte ihm der Raum und die Zeit gegeben werden, selbstständig wieder aufzustehen. Wie schnell passiert es, dass eine erwachsene Person sofort das Kind hochzieht: „Ich helfe dir mal hoch!“ Gut gemeint, aber laut Emmi Pikler nicht gut fürs Kind.

Fällt das Kind hin und schafft es dann aber alleine wieder aufzustehen, ist dies eine unfassbar wertvolle und wichtige Erfahrung. Das Kind lernt, dass es Probleme selbst lösen kann, die Situation selbst unter Kontrolle hat und auch aus negativen Situationen eigenständig herauskommen kann. Natürlich sollte das Kind bei wirklich starken und möglicherweise überfordernden Problemen nicht alleine gelassen werden.

Rolle der Fachkraft in der Pädagogik nach Pikler

Die Rolle der pädagogischen Fachkraft ist vor allem dadurch geprägt, die Signale und Impulse des Kindes wahrzunehmen und angemessen zu deuten. Das bedeutet auch, dass sich die pädagogische Fachkraft eher die Rolle der beobachtenden Person einnimmt und nicht dauerhaft aktiv das Kind beschäftigt und ihm alles vorgibt und vorsetzt. Spielmaterialien und Möglichkeiten werden zur Verfügung gestellt und zugänglich gemacht, das wars es aber auch. Es werden dem Kind beispielsweise keine Spielmaterialien mit einem Auftrag in die Hand gegeben; „Hier hast du einen Eimer, bau mal eine Sandburg!“

Durch die Beobachtung und Dokumentation des Kindes, schafft es die pädagogische Fachkraft das Kind besser zu verstehen. Durch Kommunikation und sprachliche alltägliche Begleitung ist es möglich, die Welt des Kindes mit seinen Bedürfnissen zu verstehen und so einen anregungsreichen Raum und eine anregungsreiche Umgebung für das Kind zu schaffen. Grundlage dafür ist außerdem, dass die pädagogische Fachkraft Kenntnisse über Entwicklungsschritte des Kindes hat und die Signale und Impulse des Kindes versteht.

Emmi Pikler Pädagogik

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