Kognitive Entwicklung – Adaption, Assimilation, Akkommodation und Äquilibration

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Die Adaption, Assimilation, Akkommodation und Äquilibration sind grundlegende Begriffe der Theorie der kognitiven Entwicklung nach Piaget. Aber was ist damit gemeint? Was ist der Unterschied zwischen Assimilation und Akkommodation? Und was versteht Piaget unter Adaption und Äquilibration? Dies und vieles mehr erfährst du in diesem Beitrag. Alles anschaulich anhand mehrere praktischer Beispiele dargestellt. Wenn du dich für die vier Stufen der kognitiven Entwicklung interessierst, dann klicke HIER. Dort habe ich dir einen ausführlichen Beitrag dazu verlinkt.

Inhaltsverzeichnis

Kognitive Entwicklung: zwei grundlegende Tendenzen

Jean Piaget arbeitete lange Zeit als Kinderpsychologe und Pädagoge und erforschte die Intelligenz und kognitive Entwicklung von Kindern. Piaget leitete aus seinen Arbeiten ab, dass sich die Struktur des Denkens und der kognitiven Fähigkeiten je nach Alter und Entwicklungsstand bei Kindern ähnelt und durch eine Art kognitiver Anpassung mit den Jahren differenziert. Daraus entwickelten sich erste Gedanken seiner Theorie. Piaget geht davon aus, dass jeder Mensch mit zwei grundlegenden Tendenzen geboren wird. Zum einen die Tendenz zur Adaption und zum anderen die Tendenz zur Organisation. Fangen wir mit der Adaption an.

Adaption Organisation Piaget Theorie der kognitiven Entwicklung

Kognitive Entwicklung - die Adaption

Die Adaption bedeutet übersetzt so viel wie Anpassung. Wie eben schon erwähnt, entwickeln sich kognitive Fähigkeiten durch Anpassung. Durch diese Anpassung wird die kognitive Fähigkeit eines Menschen immer weiter ausdifferenziert. Was das genau bedeutet, wirst du gleich genau verstehen. Diese Adaption (also Anpassung) geschieht laut Piaget über zwei Dinge; die Assimilation und die Akkommodation. Fangen wir mit der Assimilation an.

Piaget Adaption Assimilation und Akkommodation

Assimilation in der kognitiven Entwicklung

Assimilation bedeutet, dass eine neue Erfahrung in ein bereits vorhandenes Denk- und Verhaltensschema eingegliedert wird.

Ein kleines Beispiel damit du verstehst, was damit gemeint ist: Ein Kind lernt, dass es von einer Möhre abbeißen kann um diese zu essen. Das hat das Kind einmal gelernt. Bekommt das Kind nun eine kleine Gurke vorgesetzt, dann weiß es auch hier, dass es da reinbeißen kann um diese zu essen. Das Schema (=ich kann in eine Möhre beißen um sie zu essen) wurde einmal entwickelt. Die neue Erfahrung (=das funktioniert auch bei einer Gurke) wurde in das vorhandene Schema eingegliedert. Es fand also eine Assimilation statt. Für den komplex klingenden Begriff eigentlich ganz simpel oder? Aber was ist jetzt mit der Akkommodation gemeint?

Assimilation Piaget kognitive Entwicklung

Akkommodation in der kognitiven Entwicklung

Akkommodation bedeutet Erweiterung. Neue Erfahrung führen bei der Akkommodation dazu, dass ein vorhandenes Schema erweitert wird.

Bleiben wir bei dem Beispiel von eben. Das Kind geht am nächsten Tag in den Kindergarten. Dort steht eine Korb mit Obst und Gemüse, diese sind allerdings aus Holz. Das Kind sieht die Holzmöhre und denkt sich (aufgrund des bisherigen Schemas), „Lecker, da beiß ich rein!“ Das Kind wird feststellen, dass etwas anders ist, es nicht abbeißen kann, der Biss sogar weh tut und es auch gar nicht schmeckt. Das Kind hat das vorhandene Schema also erweitert. Obst und Gemüse kann man nur essen, wenn es nicht aus Holz ist.

Assimilation und Akkommodation einfach erklärt

Kinder sind neugierig und entdecken die Welt. Sie probieren neue Dinge erstmal über die Assimilation zu begreifen, also eine neue Erfahrung in ein vorhandenes Schema einzugliedern, wie in dem Beispiel mit der Möhre und der Gurke. Gelingt dies nicht, dann wird das Schema erweitert und es findet eine Akkommodation statt, also eine Erweiterung des vorhandenen Schemas. Wie im Beispiel mit der Holzmöhre. Piaget benennt in seiner Theorie der kognitiven Entwicklung die Assimilation und die Akkommodation deshalb auch als die treibende Kraft der kindlichen Entwicklung. Daraus lässt sich schließen, dass der Mensch durch das Erleben neuer Eindrücke und Erfahrungen lernt.

Äquilibration in der kognitiven Entwicklung

Mit der Organisation ist laut Piaget die Integration eigener Prozesses und Schemata in zusammenhängende Systeme gemeint. Auch das klingt wieder deutlich komplizierter als es das eigentlich ist. Ich gebe dir eine Erklärung damit du diesen Punkt besser nachvollziehen kannst und anschließend ein Beispiel, welches zu 99,9% auf dich zutrifft!

Laut Piaget ist jeder Mensch dazu bestrebt durch Adaption (also Assimilation und Akkommodation) einen Gleichgewichtszustand in den eigenen Denk- und Verhaltensprozessen herzustellen. Der Mensch möchte in Harmonie leben, mit sich selbst und mit der Umwelt.

Der Mensch versucht ihm widersprüchliche und leistungsintensive kognitive Strukturen zu minimieren um zu immer leistungsfähigeren und stabileren Strukturen zu gelangen. Es soll das Ungleichgewicht zwischen den inneren Prozessen und der Umwelt beseitigt werden. Kommt es zu einem Ungleichgewicht, einem inneren Konflikt, dann ist der Mensch bestrebt, wieder ein dynamisches Gleichgewicht herzustellen. Die Äquilibration wird von Piaget als der Motor der Entwicklung angesehen. Dadurch, dass das Ungleichgewicht aufgehoben wird, kommt es zu Fortschritten und neuen Stadien innerhalb der Entwicklung.

Äquilibration kognitive Entwicklung Piaget

Assimilation, Akkommodation, Äquilibration - Ein weiteres Beispiel

Aus irgendeinem Grund liest du diesen Beitrag zu Piagets Theorie der kognitiven Entwicklung. Wahrscheinlich weil du die Inhalte für die Schule, das Abitur, das Studium oder die Ausbildung lernen musst. Dein Lehrer hat dir die Inhalte vielleicht nicht zu 100% so erklärt, dass du diese auf Anhieb verstehst. Du hast versucht die Inhalte zu verstehen, einzuordnen und in bereits gelerntes anzupassen. Assimilation und Akkommodation. Ist ja aber auch ein komplexes Thema. Du verspürst eine leichte innere Anspannung, weil du die Theorie noch nicht so gut verstanden hast um die Prüfungen zu bestehen. Um den inneren Konflikt auszugleichen, hast du im Internet nach weiteren Erklärungen zu dieser Theorie gesucht, bist auf diesen Beitrag gestoßen und liest dir jetzt die Inhalte durch. 

Das alles in der Hoffnung den inneren Konflikt, das Ungleichgewicht zu beseitigen. Das ist die Äquilibration. Dein Bedürfnis, den inneren Konflikt aufzulösen, hat dazu geführt, dass auf diesen Beitrag gefunden hast. Du wirst dadurch definitiv zumindest ein klein wenig mehr wissen als vorher. Du hast also einen Entwicklungsprozess hingelegt, dadurch, dass du das Ungleichgewicht beseitigen willst. Mit der Organisation und der Beseitigung des Ungleichgewichts ist die Äquilibration gemeint. Das meinte Piaget damit, dass Äquilibration als Motor der Entwicklung gesehen werden kann.

Assimilation Akkommodation Äquilibration Piaget kognitive Entwicklung

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