Krappmann Theorie einfach erklärt

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Lothar Krappmanns Theorie befasst sich mit der Entwicklung der Identität bei Kindern und Jugendlichen. Die Theorie stellt mittlerweile eine Grundlagentheorie der Soziologie und Pädagogik dar. In diesem Beitrag schauen wir uns die Identitätstheorie nach Lothar Krappmann daher einmal genau an. Wir schauen, wie sich Identität nach Krappmann entwickelt, welche vier Fähigkeiten notwendig sind, was die Ambiguitätstoleranz ist und vieles mehr.

Inhaltsverzeichnis

Theorie Krappmann - Erste Infos

Die Theorie von Lothar Krappmann beschäftigt sich mit der sozialen Interaktion und der Identitätsentwicklung von Kindern und Jugendlichen. Es geht also darum, wie Kinder und Jugendliche ihre Persönlichkeit und Identität in einer Gesellschaft entwickeln. Ein wichtiges und spannendes Thema der Pädagogik, Psychologie und Soziologie. Die Kernaussage der Rollentheorie besagt, dass sich die Identität eines Menschen durch das ständige Ausbalancieren und Aushandeln verschiedener sozialer Rollen und gesellschaftlicher Erwartungen entwickelt.

Krappmann Theorie Identität

Die Theorie ist unter verschiedenen Begriffen bekannt; Modell sozialer Identität,
Theorie der Identitätsentwicklung, soziologischer Interaktionismus, Krappmanns
Rollentheorie und noch Weitere.

Krappmann baut dabei auf den Arbeiten von George Herbert Mead und Erving Goffman auf und integriert deren Konzepte in seine eigene Theorie. Wir gehen das Ganze gleich Schritt für Schritt durch.

Soziale Rolle und Identität nach Krappmann

Es ist wichtig zu verstehen, dass Menschen im Laufe ihres Lebens verschiedene soziale Rollen einnehmen. Soziale Rollen können sehr vielfältig sein; Kindergartenkind, Schulkind, Sohn, Tochter, großer Bruder, kleine Schwester, Enkelkind, Vereinsmitglied und so weiter. Bei Erwachsenen auch Arbeitnehmer, Arbeitgeber, Mutter, Vater und viele weitere.

Krappmann Theorie einfach erklärt

In jeder Gesellschaft gibt es unterschiedliche soziale Rollen mit unterschiedlichen Erwartungen. Ein Mensch trägt zur gleichen Zeit mehrere soziale Rollen, er kann zum Beispiel Vereinsmitglied sein, wenn er bspw. In einem Fußballverein spielt, gleichzeitig aber auch Sohn, Schulkind und Enkelkind. Die Lebenswelt und Lebensrealität spielt also eine wesentliche Rolle bei der Entwicklung der Identität. Soziale Rollen helfen dabei, das Verhalten zu strukturieren und somit soziale Interaktionen zu erleichtern.

Identität als Balanceakt

Wie entwickelt sich aus dem bisher Gelerntem jetzt aber eine Identität? Krappmann sieht Identität als einen dynamischen Prozess, bei dem Menschen ständig zwischen verschiedenen Rollen und die daran gestellten gesellschaftlichen Erwartungen balancieren. Diese Balance ist notwendig, um sowohl die individuellen Bedürfnisse, als auch die gesellschaftlichen Erwartungen zu erfüllen. Diese beiden Punkte stehen nicht selten im Gegensatz zueinander, bzw. sind nicht immer einfach zu verbinden.

Ein erstes Beispiel für Krappmanns Theorie

Eine Frau möchte um die Welt reisen und lehnt Konsumverhalten ab, dies macht sie individuell sehr glücklich und erfüllt sie. Von der Gesellschaft kriegt sie aber immer wieder gespiegelt, dass sie doch so langsam mal einen Mann finden muss, sesshaft werden sollte und andere in ihrem Alter ja auch schon Haus und Kinder haben, sie kann ja schließlich nicht für immer um die Welt reisen. Hier stehen individuelle Bedürfnisse (Reisen) und gesellschaftliche Erwartungen (Haus, Mann, Kinder) im Gegensatz und es ist ein Ausbalancieren notwendig.

Damit ist nicht gemeint, dass die Frau jetzt ihre individuellen Bedürfnisse über Board schmeißt und das tut, was die Gesellschaft erwartet. Laut Krappmann ist es wichtig, dass nicht eine Seite dauerhaft dominiert. Es geht viel mehr darum, dass die Frau sich ihren eigenen Bedürfnissen bewusst ist, aber auch die gesellschaftlichen Erwartungen erkennt und darauf reagiert. Sie wird sich fragen, was sie wirklich will, ob das Reisen sie wirklich glücklich macht oder vielleicht doch Mann, Haus und Kinder?

Diese Entscheidung ist individuell und natürlich sind beide Wege legitim. Aber diese Auseinandersetzung und das Ausbalancieren wird dafür sorgen, dass die Frau in ihrer Identität wächst, sich bewusster wird was sie will, dies realisiert und kommunizieren kann. So entwickelt und festigt sich eine Identität.

Vier Fähigkeiten Identitätsbildung nach Krappmann

Krappmann identifiziert vier zentrale Fähigkeiten, die Menschen entwickeln müssen, um das Ausbalancieren erfolgreich zu meistern, konstruktive soziale Interaktionen zu führen und so ihre Identität zu formen.

Fähigkeit zur Empathie

Das ist die Fähigkeit, sich in die Lage anderer Personen zu versetzen und deren Perspektive zu übernehmen.

Fähigkeit zur Ambiguitätstoleranz

Der Begriff Ambiguität bedeutet Mehrdeutigkeit und bezieht sich auf Situationen, in der ein Begriff, eine Aussage, ein Satz oder eine Handlung mehrdeutig interpretiert werden kann. Es handelt sich um eine Unklarheit oder Zweideutigkeit in der Bedeutung von Wörtern oder Ausdrücken, die zu Verwirrung oder Missverständnissen führen kann.

Bei der Fähigkeit der Ambiguitätstoleranz geht es um die Fähigkeit, Unsicherheiten und Mehrdeutigkeiten in sozialen Situationen zu ertragen und zu verarbeiten. Wie im Beispiel mit der Frau und der Weltreise, geht es darum, dass sie erträgt, dass es andere Lebenskonzepte gibt, als den, den sie lebt, ohne daran zu verzweifeln oder einzuknicken. Aber auch darum, die andere Seite nicht kategorisch aus Prinzip schlecht zu reden oder zu verteufeln.

Fähigkeit zur Rollendistanz

Die Fähigkeit, sich von den eigenen sozialen Rollen zu distanzieren und diese kritisch zu hinterfragen. Dabei geht es quasi um konstruktive Selbstreflexion.
Was möchte ich? Was tue ich? Welche Auswirkungen hat dies auf mich? Und auf andere? Welche Folgen hat mein Handeln?

Krappmann Identität Rollentheorie

Fähigkeit zur Identitätsdarstellung

Die Fähigkeit, sich selbst in sozialen Interaktionen darzustellen und dabei eine Balance zwischen den eigenen Bedürfnissen und den gesellschaftlichen Erwartungen anderer zu finden. Also nicht aus Prinzip (beispielsweise aus Egogründen) nur die eigenen Bedürfnisse zu sehen, zu verteidigen und alle anderen Bedürfnisse schlecht zu machen oder nieder zu reden.

Krappmann Theorie Identität einfach erklärt

Krappmann Theorie zur Identität zusammengefasst

Wie wir gelernt haben spielt die Balance eine sehr wichtige Rolle, da das Individuum zwischen der sozialen und persönlichen Identität abwägen muss, sodass keine der beiden dauerhaft dominiert. Das würde ja ansonsten bedeuten, dass der Mensch dann alles um sich herum ignoriert und nur auf sich und seine Bedürfnisse schaut oder aber in purer Selbstaufgabe nur das tut, was die Gesellschaft möchte um dieser gerecht zu werden.

Zusammengefasst besagt Krappmanns Rollentheorie, dass die Identität eines Individuums in einem dynamischen Prozess des Balancierens und Aushandelns von sozialen Rollen und den gesellschaftlichen Erwartungen an diese entsteht. Diese ständige Auseinandersetzung ist notwendig, um eine kohärente und stabile Identität in einer komplexen und vielfältigen sozialen Welt zu entwickeln.

Krappmann Theorie einfach erklärt

Weiteres Beispiel für Krappmanns Theorie

Ein weiteres Beispiel, damit du noch besser verstehst, was gemeint ist. Eine Kassiererin hat einen Schicksalsschlag hinnehmen müssen, sie ist psychisch und körperlich nicht in ihrer besten Verfassung. Ihr individuelles Bedürfnis ist, dass sie am liebsten nicht arbeiten gehen würde, in ihrer sozialen Rolle als Kassiererin wird dies aber von ihr erwartet. Jetzt ist das Ausbalancieren notwendig. Sie muss freundlich zu den Kunden sein und kann diese nicht einfach anpampen oder ausgesprochen unfreundlich sein, gleichzeitig sollte sie aber auch auf sich selbst und ihre Gesundheit hören, wenn der Schicksalsschlag beispielsweise so stark wirkt, dass sie gar nicht arbeitsfähig ist. Im besten Fall wird ein konstruktiver Mittelweg gefunden.

Krappmann Theorie Identität einfach erklärt mit Beispiel

Dominiert eine Seite und sie ignoriert die andere, dann würde das bedeuten, dass sie im schlimmsten Fall psychisch und körperlich irgendwann total ausfällt und größere Probleme bekommt. Oder aber, dass sie ihren Job verliert, wenn sie wirklich bei jeder Kleinigkeit zuhause bleibt oder ständig die Kunden angeht. Es können viele unzählig kleine Dinge im Leben sein, bei denen dieser dynamische Prozess des Balancierens und Aushandelns der individuellen Bedürfnisse und den Erwartungen der Gesellschaft zu trage kommt.

Es gibt noch einige weitere Konzepte und Theorien zur Entwicklung von Persönlichkeit und Identität beim Menschen. HIER findest du beispielsweise die Theorie der psychosozialen Entwicklung nach Erikson oder HIER einen Beitrag zur Bindungstheorie nach Bowlby.

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