Kognitivismus – Was sind kognitivistische Lerntheorien?

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Der Kognitivismus beinhaltet verschiedene Lerntheorien aus der Psychologie. Kognitivistische Lerntheorien befassen sich damit, wie ein Mensch Verhalten lernt und sich dieses aneignet. Dabei wird im Kognitivismus vor allem auf die psychischen inneren Prozesse im Gehirn des Menschen geblickt. Wie sieht die innere individuelle Informationsverarbeitung in der Psyche des Menschen aus? Was könnte der Grund für ein bestimmtes Verhalten oder Erleben sein? In diesem Beitrag schauen wir uns den Kognitivismus mit seinen Lerntheorien genauer an. Passend zu dem Thema findest du hier einen ausführlichen Beitrag zum Behaviorismus.

Inhaltsverzeichnis

Was ist der Kognitivismus?

Der Kognitivismus ist neben dem Behaviorismus und dem Konstruktivismus eine Hauptströmung der Lerntheorien aus der Psychologie. Man spricht hier auch von der Lernpsychologie. Alle 3 Hauptströmungen wollen menschliches Verhalten untersuchen und Erklärungen dafür bieten, wie Menschen lernen und warum es zu bestimmten Verhaltensweisen kommt.

Alle drei Strömungen haben dabei aber andere Schwerpunkte. Im Mittelpunkt des Kognitivismus steht dabei die individuelle Informationsverarbeitung sowie die dazugehörigen Denk- und Verarbeitungsprozesse des Menschen.

Kognitivismus Psychologie

Die bekanntesten kognitivistischen Lerntheorien

Es gibt mehrere Theorien und Modelle aus dem Kognitivismus. Hauptsächlich sind dies sogenannte kognitivistischen Lerntheorien. Diese beinhaltet den individuellen Prozess der Informationsverarbeitung des Menschen sowie die dazugehörigen Denk- und Verarbeitungsprozesse des Lernende. Oder einfach gesagt; die Lerntheorien des
Kognitivismus befassen sich damit, welche individuellen kognitiven Prozesse beim
Menschen ablaufen während er etwas lernt.

Hier gibt es mehrere bekannte Modelle. Ich werde nenne dir gleich die 3 bekanntesten und verlinke dir dazu ein Lernvideo. Klicke dazu einfach auf das jeweilige Modell. Zum einen gibt es da die Theorie der kognitiven Entwicklung nach Jean Piaget, das Lernen am Modell nach Albert Bandura, das Lernen durch Einsicht und viele weitere.

Kognitivistische Lerntheorien Kogntivistmus

Wie lässt sich Verhalten im Kognitivismus erklären?

Auch im Kognitivismus ist ein Reiz von außen notwendig. Dieser trifft auf den Menschen. Das kann beispielsweise eine Information aus der Umwelt sein. Um das besser zu verstehen, möchte ich an dieser Stelle das gleiche Beispiel nehmen wie aus dem Beitrag zum Behaviorismus:

Ein Kind läuft mit seiner Mutter durch die Stadt. Dann kommt ein süßer Hund, dieser kommt schwanzwedelnd auf das Kind zu. Das Verhalten des Hundes stellt den Reiz dar, dieser Reiz wird vom Kind aufgenommen, das Kind verarbeitet diesen Reiz und diese Informationen. Jetzt zeigt das Kind plötzlich eine fürchterliche Angst und will zu der Mutter auf den Arm. Das wird als die Reaktion/Verhalten bezeichnet.

Im Behaviorismus wird ja gesagt, dass dieser Reiz in der unbekannten Blackbox verarbeitet wurde, was da genau passiert ist, ist laut Behaviorismus irrelevant. In den Lerntheorien des Kognitivismus wird jetzt aber auf genau diesen inneren Verarbeitungsprozess geschaut. Es stellt sich also die Frage, was ist psychisch und kognitiv bei dem Kind abgelaufen, dass es dieses Verhalten (Angst bekommen und auf den Arm wollen) auf den Reiz (der schwanzwedelnde Hund kommt auf das Kind zu) gezeigt hat? Ganz vereinfacht gesagt, kann man sagen, dass bei dem Kind ein kognitiver und psychischer Prozess ablief, welcher dem Kind Gefahr gemeldet hat.

Kognitivistische Lerntheorie Beispiel: Lernen am Modell

Der Kognitivismus schaut genau hin. Je nach Lerntheorie gibt es unterschiedliche
Herangehensweisen. Die Möglichkeiten der Verarbeitung sind individuell und vielzählig. Im Lernen am Modell könnte beispielsweise eine vorab ängstliche Reaktion auf Hunde durch ein Vorbild des Kindes (beispielsweise ein Elternteil) dazu geführt haben, dass das Kind sich diese Reaktion abgeschaut hat. Das Kind wendet diese dann in ähnlichen Situationen ebenfalls an. Es muss aber auch betont werden, dass die Möglichkeiten vielzählig sind und es keine allgemeingültige Antwort gibt.

Kognitivistische Lerntheorie Kognitivismus

Die Grundannahmen im Kognitivismus

Es gibt gewisse Grundannahmen, welche die Lerntheorien aus dem Kognitivismus ausmachen. Grundlegend lässt sich dazu sagen, dass angenommen wird, dass kognitive Prozesse und Strukturen eines Menschen einen maßgeblichen Einfluss auf das Erleben und das Verhalten von Menschen haben. Diese inneren kognitiven und psychischen Systeme des Menschen stehen immer in Wechselwirkung mit den Informationen und Reizen die von außen auf den Menschen treffen. Der Mensch verarbeitet neue Informationen immer unter Einbeziehung ihm bereits vorhandener Informationen und passt diese in einem organisiertem Netz vorhandenen Wissens an. Diese Theorie wird eindrücklich in der Theorie der kognitiven Entwicklung nach Jean Piaget beschrieben.

4 Punkte im kognitiven Prozess des Menschen

Nach Holzinger sind 4 Punkte kognitiver Prozesse relevant. Ich nenne diese gleich und gebe zu jedem kurz eine Erklärung anhand des Beispiels mit dem Kind und dem Hund. So kannst du das ganze besser verstehen.

Prozess 1: Begriffsbildung

Der erste Punkt ist die Begriffsbildung. Der Mensch muss den Reiz, die Informationen zu einem Begriff geformt haben um dies ganz grob einschätzen zu können. Auf das Beispiel bezogen bedeutet das, dass das Kind weiß, was ein Hund ist und sich davon einen Begriff gebildet hat. Beispielsweise dadurch, dass es vorher schon einmal einen Hund gesehen hat.

Prozess 2: Wahrnehmung

Dann kommt der zweite Punkt, die Wahrnehmung. In unserem Beispiel muss das Kind den Hund aktiv durch die Sinne wahrnehmen. Ansonsten kann es zu keinem kognitiven Verarbeitungsprozess kommen, beispielsweise wenn das Kind schläft, der Hund ist trotzdem da, aber das Kind nimmt diesen nicht war.

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Prozess 3: Wiedererkennung

Dann kommt der dritte Schritt, die Wiedererkennung. Das Kind erkennt den Hund wieder, hat gelernt (beispielsweise durch eine vorherige ängstliche Reaktion der eigenen Mutter auf Hund), dass diese gefährlich sein können.

Prozess 4: Schlussfolgerung

Dann kommt es viertens zum schlussfolgernden Denken. Das Kind schlussfolgert daraus, dass es selbst auch in Gefahr ist, weil ein Hund angerannt kommt. Das Kind hat den Reiz, die Information also verarbeitet und möchte jetzt schnellst möglich auf den Arm der Mutter.

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Der Unterschied zwischen Kognitivismus und Behaviorismus

Der Kognitivismus ergänzt das simple Reiz Reaktionsmodell aus dem Behaviorismus um den kognitiven und psychischen Prozess. Der Mensch reagiert nicht einfach nur auf Reize aus der Umwelt. Elementar für das Verhalten und die Reaktion ist die individuelle Informationsverarbeitung sowie die dazugehörigen Denk- und Verarbeitungsprozesse des Menschen.

Beim Behaviorismus sieht dies anders aus. Die inneren Denkt- und Verarbeitungsprozesse haben hier weniger wert, da sie hoch individuell und nicht messbar sind, man spricht hier von der Black Box. Im Behaviorismus interessiert, welcher Reiz beim Menschen eingeht und welches Verhalten der Mensch darauffolgend zeigt, zusätzlich wie dies systematisiert und analysiert werden kann.

Unterschied Behaviorismus Kognitivismus

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