Gruppenrollen in der Gruppenpädagogik

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In Gruppen treffen unterschiedliche Menschen aufeinander. Durch dieses soziale Miteinander in Gruppen entstehen unterschiedliche Rollen, die sogenannten Gruppenrollen. Diese Gruppenrollen werden in der Gruppenpädagogik kategorisiert und zusammengefasst. In fast jeder Gruppe lassen sich diese Rollen finden. In diesem Beitrag werfen wir einen genauen Blick auf die einzelnen Gruppenrollen.

Inhaltsverzeichnis

Gruppenrollen in der Gruppenpädagogik

In der Regel werden 7 Gruppenrollen in der Gruppenpädagogik beschrieben. Dazu muss gesagt werden, dass zwar in jeder Gruppe unterschiedliche Rollen zu finden sind, jedoch nicht in jeder Gruppe zwingend jede Rolle vorhanden ist. Einige Gruppenrollen tauchen also einfach häufiger in Gruppen auf als andere. Auch ist es wichtig zu erwähnen, dass es kein einheitliches Konzept zu den Gruppenrollen gibt. Das bedeutet, dass teilweise mehr (oder auch weniger) Rollen beschrieben werden oder diese anders bezeichnet werden. Es ist wichtig zu wissen, dass sich die unterschiedlichen Rollen von selbst finden und definieren. Sie werden also in der Regel NICHT vorgegeben. Damit die einzelnen Gruppenmitglieder eine passende Rolle finden, muss die Gruppe angeleitet werden und dem gesamten Prozess Freiraum und Zeit gelassen werden. Zum Teil testen Kinder und Jugendliche sich in ihren Gruppenrollen aus und wählen bewusst Rollen, die sich von ihrer Rolle zuhause, in einem Verein oder in anderen Gruppen absondern.

In diesem Beitrag gehe ich auf die gängigsten Gruppenrollen in der Gruppenpädagogik ein und verwende dafür die auch die gängigen Begrifflichkeiten für die Gruppenrollen. Zu Teilen finde ich persönlich diese Begriffe aber kritisch und negativ besetzt.

Gruppenrollen Gruppenpädagogik

Gruppenrolle: Der Clown

Diese Gruppenrolle kennt wahrscheinlich so ziemlich jeder aus seiner Schulzeit. In den meisten Schulklassen gab es den einen Klassenclown. Diese Gruppenrolle findet sich meist in jeder Gruppe. Ein Clown versucht sich durch Späße und Lacher beliebt zu machen. So die Stimmung aufzulockern und positive Stimmung durch Unterhaltung zu verbreiten. Nimmt dies ein großes Ausmaß an, dann kann der Clown der Gruppendynamik und dem Ziel der Gruppe schaden, beziehungsweise das Erreichen des Ziels verlangsamen. Oft steckt bei der Rolle des Clown eine Angst dahinter. Eine Angst ohne die Aufmerksamkeit der Gruppe zum Außenseiter zu werden. Der Clown nimmt somit in Kauf, sich selbst vor der Gruppe lächerlich zu machen und seine Ernsthaftigkeit zu verlieren.

Gruppenrolle: Der Außenseiter

Ein Außenseiter steht am Rande der Gruppe, ist Teil der Gruppe, aber am eigentlichen Gruppenprozess gar nicht mehr wirklich beteiligt. Ein Gruppenmitglied kann zu einem Außenseiter werden, wenn er einfach nur still ist oder sich in seiner Individualität negativ stark von den anderen Gruppenmitgliedern abgrenzt. Auch äußere Faktoren können eine Person zum Außenseiter einer Gruppe machen, zum Beispiel durch Probleme Zuhause oder durch andere Belastungen. In der Regel fühlen sich Außenseiter in ihrer Rolle unwohl, haben aber noch größere Angst davor, ins Rampenlicht der Gruppe gezogen zu werden und sich unter Umständen vor dieser zu blamieren.

Unterteilung der Gruppenrolle 'Außenseiter'

Die Gruppenrolle des Außenseiter kann in drei weitere Unterformen untergliedert werden:

  • unreifer Außenseiter welcher aufgrund einer Entwicklungsverzögerung in diese Rolle geraten ist. Es ist auch möglich, dass der unreife Außenseiter beispielsweise im Bereich der Kommunikation oder des Sozialverhaltens Defizite aufweist, aufgrund welcher er ausgegrenzt wird. Häufig hat eine Person in dieser Rolle auch in anderen Kontexten Probleme sich zu integrieren.

     

  • reifer Außenseiter Dieser fühlt sich häufig am Rande der Gruppe wohl. Zumindest wohler als im Zentrum der Gruppe. Eine Person kann auch zum reifen Außenseiter werden, wenn sie auf Lösungsversuche von Konflikten oder Problemen verzichtet, einfach weil sich der Aufwand nicht lohnt. Der reife Außenseiter nimmt es dann in Kauf möglicherweise als „Schwächling“ zu gelten, auch wenn er eigentlich im Recht sein könnte.

     

  • unfair ausgegrenzter Außenseiter Dieser wurde aus unfairen und nichtigen Gründen an den Rand der Gruppe gedrängt. Das nennt man auch Mobbing. Er könnte zum Beispiel aufgrund seiner Körpergröße, seiner Körperhaltung, seiner Haarfarbe, seiner Art zu sprechen, seiner Kleidung, seiner Hobbys oder sonstigen Oberflächlichkeiten ausgrenzt werden. Der unfair ausgrenzte Außenseiter leidet in der Regel wirklich stark aufgrund der ihm zugeschrieben Rolle. Diese Erfahrung kann weitreichende Folgen für die Person haben. Wenn ein meiden der Gruppe nicht möglich ist und sich diese häufig trifft, dann kann diese Erfahrung zu schweren psychischen Problem führen.
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Gruppenrolle: Der Meinungsmacher (auch Chef)

Der Meinungsmacher strebt durch seine Meinungen und Äußerungen danach, bei anderen Mitgliedern der Gruppe den Eindruck einer hohen Kompetenz zu erwecken. Dadurch hofft er, ihre Zustimmung und Unterstützung zu gewinnen sowie Anerkennung und Bestätigung zu erhalten. Oft hegt der Meinungsmacher den Wunsch, dass seine eigenen Belange umgesetzt werden und er die Richtung der Gruppenaktivitäten beeinflusst. Sein Bestehen hängt von seinen Anhängern ab. Teilweise kann sich die Rolle des Meinungsmacher bei einer Person derart festigen, dass sie ohne Zustimmung und Lob seitens anderer Gruppenmitglieder nicht mehr existieren kann.

Gruppenrolle: Der Mitläufer

Die Mitläufer folgen den Meinungen und Aussagen des Meinungsmachers und schließen sich auch dessen Urteilen an. Häufig geschieht dies auch, ohne das alles zu hinterfragen. Mitläufer charakterisieren sich durch eine eher ängstliche Persönlichkeitsstruktur, sie suchen nach Sicherheit und Vorhersehbarkeit. Für den Mitläufer wirkt es so, als wenn der Meinungsmacher dieses Bedürfnis stillen kann, da er scheinbar verstanden hat wie etwas funktioniert.

Gruppenrolle: Der Vermittler

Wie der Name dieser Rolle schon vermuten lässt, versucht der Vermittler zwischen
einzelnen Gruppenmitgliedern und einzelnen Rollen zu vermitteln. Zum Beispiel zwischen der Rolle des Außenseiters und der Rolle des Meinungsmachers. Die vermittelnde Gruppenrolle versucht diplomatisch und konstruktiv Meinungsverschiedenheiten zu klären und zu einem optimalen Ergebnis zu kommen. Dem Vermittler fällt es häufig schwer, Spannungen in der Gruppendynamik auszuhalten.

Gruppenrolle: Der Organisator

Die Organisatoren greifen in den Gruppenprozess ein, wenn es um die Umsetzung organisatorischer oder struktureller Dinge geht. Beispielsweise bei der Planung des nächsten Gruppentreffens oder dessen Terminfindung. Wenn es darum geht Pläne aufzustellen oder Abläufe zu koordinieren fühlen sich die Organisatoren angesprochen und übernehmen den aktiven Part. Ansonsten halten sie sich tendenziell eher im Hintergrund auf.

Gruppen: Die Leitfigur

Die Leitfigur einer Gruppe hat sich (im Gegensatz zu dem Meinungsmacher) nicht selbst durch polarisierende und wertende Meinungen und Aussagen zu einem akzeptierten Gruppenmitglied gemacht. Sondern die Leitfigur ist durch kompetentes und zielführendes Handeln der Gruppe gegenüber in diese Rolle geschlüpft. Dies kann auch gänzlich unfreiwillig geschehen, einigen Leitfiguren ist diese Gruppenrolle sogar unangenehm. Eine Leitfigur bringt sich dann ein, wenn ihre wahren Stärken und Kompetenzen gefragt werden und diese der Gruppe zielführend helfen.

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Gruppenrollen - Was ist wichtig für pädagogische Fachkräfte?

Bei den einzelnen Rollen ist es für die pädagogischen Fachkraft total wichtig, zwischen der jeweiligen Rolle und dem Charakter des Kindes zu unterscheiden. Es ist möglich, dass sich Gruppenrollen von selbst herauskristallisieren und entwickeln. So kann sich zum Beispiel ein Gruppenmitglieder durch seine Kompetenzen und Fähigkeiten zur Leitfigur entwickeln, ohne dass dies geplant war. Haben sich Gruppenrollen erst einmal entwickelt, dann ist es schwer, diese wieder zu brechen. Aus einem Außenseiter wird nur schwer eine akzeptiere Leitfigur, auch wenn diese Person ganz objektiv eine super Leitfigur wäre.

Gruppenrollen können teilweise auch vorab festgelegt werden, zumindest einige. Die Rolle des Außenseiters sollte natürlich nicht vorab ausgewählt werden. Eine anführende Person in Form einer Leitfigur sollte dabei gut ausgewählt werden, also so, dass auch der Charakter des Kindes dazu passt. Ein zu schüchternes Kind, welche diese Rolle nicht möchte, aber ansonsten der Gruppe dienliche Kompetenzen aufweist, sollte nicht dazu gezwungen werden die Rolle der Leitfigur anzunehmen. Bei Kindern ist das Auferlegen einer unpassenden Gruppenrolle deutlich kritisch zu bewerten Das ausprobieren verschiedener Rollen innerhalb einer Gruppe ist für die Persönlichkeitsentwicklung unheimlich wichtig, vor allem für Kinder und Jugendliche.

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