Erziehungsstile nach Baumrind

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Die Erziehungsstile nach Diana Baumrind beschreiben unterschiedliche Grundhaltungen von Eltern in der Erziehung und deren Einfluss auf die kindliche Entwicklung. Das Modell unterscheidet ursprünglich drei Erziehungsstile – autoritären, autoritativen und permissiven – die sich vor allem im Ausmaß von Kontrolle und emotionaler Zuwendung unterscheiden. Am Ende des Beitrags findest du eine Zusammenfassung zu den Erziehungsstilen nach Diana Baumrind und zusätzlich weiterführende Literatur und seriöse Quellen.

Inhaltsverzeichnis

Wer war Diana Baumrind?

Diana Baumrind wurde am 23. August 1927 in New York geboren, starb am 13. September 2018 und war eine amerikanische Entwicklungspsychologin. Baumrind beschäftigte sich in ihrer Forschung schwerpunktmäßig mit der Sozialisation in Familien.

Bekanntheit erlangte sie vor allem durch ihre Arbeit zu den Erziehungsstilen. In ihren ersten Arbeiten entwickelte sie eine Einteilung in drei Erziehungsstile, später wurde diese Einteilung durch Maccoby und Martin um einen weiteren Erziehungsstil ergänzt. Wenn du auf Aussagen triffst, dass es drei Erziehungsstile nach Baumrind gibt, dann ist das korrekt. In vielen neueren Fassungen wird der vierte ergänzte Erziehungsstil häufig ebenfalls genannt, also lass dich davon nicht verwirren.

Erziehungsstile Baumrind

Zusätzlich stellte Baumrind zwei grundlegende Tendenzen fest, die vor allem Eltern in der Erziehung gegenüber ihren Kindern zeigen: Die eine Tendenz ist das bindungsförderliche elterliche Verhalten, die andere Tendenz ist das fordernde Verhalten dem Kind gegenüber.

Ich werde gleich nach jedem Erziehungsstil in einem Satz darstellen, wie die jeweilige Tendenz bei diesem aussieht. Außerdem ist zu erwähnen, dass die Erziehungsstile nach Baumrind nicht mit den Erziehungsstilen nach Kurt Lewin zu verwechseln sind. Sie ähneln sich zwar, unterscheiden sich aber in einigen Punkten im Detail.

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Autoritärer Erziehungsstil Baumrind

Dieser Erziehungsstil ist durch ein großes Machtgefälle zwischen Erwachsenem und Kind geprägt, was die erwachsene Person sagt, ist also Gesetz. Charakteristisch ist, dass die erwachsene Person primär Gehorsam vom Kind erwartet. Dabei werden dem Kind selten Begründungen oder Erklärungen für Entscheidungen genannt, vor allem aber herrscht kein Raum für Diskussionen oder Kritik dem Erwachsenen gegenüber.

Es gelten strenge Regeln und hohe Anforderungen, bricht das Kind diese, dann kommt es im autoritären Erziehungsstil nach Baumrind zu Strafen. Die erwachsene Person übt eine hohe Kontrolle aus, sie tritt dem Kind distanziert und mit wenig emotionaler Wärme gegenüber.

Das Ziel beim autoritären Erziehungsstil ist, das Kind nach den eigenen Vorstellungen zu formen. Die Erziehung orientiert sich wenig an den Bedürfnissen des Kindes. Dennoch kann die Intuition der erwachsenen Person behütend oder besorgt sein, aber auch eine vernachlässigende Grundhaltung kann herrschen. Autonomie, Freiheit und Selbstständigkeit werden nicht gefördert, da dem Kind viel vorgegeben wird.

Der autoritäre Erziehungsstil wird auch kurz mit „viel Kontrolle, wenig Wärme“ beschrieben.

Autoritativer Erziehungsstil Baumrind

Auch bei diesem Erziehungsstil herrschen starke Kontrolle und hohe Ansprüche dem Kind gegenüber, jedoch mit dem Unterschied zum autoritären Erziehungsstil, dass dem Kind emotionale Wärme und positive Bestärkung entgegengebracht wird.

Die erwachsene Person tritt rational auf, sie fordert und fördert eine Diskussionskultur; Einwände, Kritik und eigene Wünsche finden also mehr Raum. Dem Kind werden Erklärungen und Gründe für Entscheidungen gegeben.

Die elterliche und erwachsene Sichtweise hat jedoch Vorrang, das letzte Wort liegt bei den Eltern, es wird also auch in diesem Erziehungsstil Gehorsam des Kindes erwartet. Dennoch liegt ebenfalls ein Interesse auf den individuellen Bedürfnissen und Interessen des Kindes, die möglichst anerkannt und respektiert werden sollen.

Der autoritative Erziehungsstil wird auch kurz mit „viel Kontrolle, viel Wärme“ beschrieben.

Permissiver Erziehungsstil Baumrind

Bei diesem Erziehungsstil kommt es zu verwöhnender und nachgiebiger Erziehung. An das Kind werden wenig Forderungen und Anforderungen gestellt. Die Bedürfnisse des Kindes und deren Erfüllung stehen im Mittelpunkt der Erziehung. Das Kind wird kaum kontrolliert, es herrscht eine sehr warmherzige und akzeptierende Haltung dem Kind gegenüber.

Die Eltern nehmen eher eine passive Rolle ein. Der Standpunkt lautet in diesem Erziehungsstil, dass das Kind selbst für die eigene Entwicklung und Entfaltung verantwortlich ist. Es ist möglich, dass es trotz der warmherzigen und akzeptierenden Haltung zu Vernachlässigungen kommt.

Der permissive Erziehungsstil wird auch kurz mit „wenig Kontrolle, viel Wärme“ beschrieben.

Vernachlässigender Erziehungsstil Baumrind

Bei diesem Erziehungsstil werden das Kind und sein Verhalten von den Erwachsenen und Eltern nicht kontrolliert, es herrscht generell wenig Interesse seitens der Erwachsenen am Kind. Sie unterstützen und fördern das Kind in dessen Entwicklung kaum bis gar nicht.

Beim vernachlässigenden Erziehungsstil werden wenig Forderungen gestellt und es wird wenig Wärme gezeigt; das Kind ist sich selbst überlassen. Es kommt, wie der Name des Erziehungsstils vermuten lässt, zu Vernachlässigung. Beim vernachlässigendem Erziehungsstil ist die Gefahr von Kindeswohlgefährdung hoch.

Der vernachlässigende Erziehungsstil wird auch kurz mit „wenig Kontrolle, wenig Wärme“ beschrieben.

Die Erziehungsstile nach Baumrind und die Praxis

Baumrind maß den Erziehungsstilen eine große Bedeutung bei, betonte jedoch mehrfach, dass die absolut wichtigste Grundlage in der Erziehung eine sichere Bindung darstellt.

Auch wenn die Erziehungsstile klar voneinander getrennt werden, ist dies in der Praxis nicht immer der Fall. Nicht jeder Erziehungsstil lässt sich so eindeutig in eine Schublade stecken. Es ist auch möglich, dass sich mehrere Erziehungsstile je nach Situation und Lage vermischen.

Der Erziehungsstil ist eng verknüpft mit dem sogenannten Bild vom Kind. Ich verlinke dir HIER einen passenden Beitrag dazu.

Welches ist der beste Erziehungsstil für die kindliche Entwicklung?

Bei ihren Untersuchungen kam Diana Baumrind zu dem Ergebnis, dass der autoritative Erziehungsstil die sozialen Kompetenzen von Kindern am meisten fördert. Kinder, die nach diesem Erziehungsstil erzogen wurden, zeigten nach Baumrinds Untersuchungen ein besonders starkes Bedürfnis nach Selbstständigkeit und Selbstentfaltung, was die Grundlage für die Entwicklung psychischer Widerstandsfähigkeit (Resilienz) bildet.

Zusammenfassung Erziehungsstile nach Baumrind

Diana Baumrind unterscheidet vier Erziehungsstile: autoritäre, autoritative, permissive und vernachlässigende Erziehung, die sich in Kontrolle und emotionaler Wärme unterscheiden.

Jeder Erziehungsstil prägt das Verhalten, die Selbstständigkeit und die sozialen Kompetenzen von Kindern unterschiedlich.

Der autoritative Erziehungsstil fördert besonders Selbstständigkeit, Resilienz und soziale Fähigkeiten, während autoritäre, permissive oder vernachlässigende Erziehung jeweils eigene Herausforderungen und Risiken für die Entwicklung bergen.

Baumrind betonte, dass eine sichere Bindung zwischen Eltern und Kind die wichtigste Grundlage für eine gesunde Entwicklung darstellt.

In der Praxis können Erziehungsstile kombiniert auftreten, je nach Situation und Bedürfnissen des Kindes. Das Wissen über die vier Erziehungsstile hilft Eltern und Fachkräften, Kinder gezielt zu fördern und eine positive Beziehung aufzubauen.

In diesem Beitrag zu Baumrinds‘ Erziehungsstilen wurden dir folgende Fragen beantwortet:

  • Welche vier Erziehungsstile nach Diana Baumrind gibt es und wie unterscheiden sie sich?

  • Was bedeutet der Unterschied zwischen Kontrolle und emotionaler Wärme bei Erziehungsstilen?

  • Welche Auswirkungen haben autoritärer, permissiver oder vernachlässigender Erziehungsstil auf Kinder?

  • Warum gilt der autoritative Erziehungsstil als besonders förderlich für die Entwicklung von Kindern?

  • Was sind die zentralen elterlichen Tendenzen, die Baumrind in der Erziehung festgestellt hat?

  • Wie wichtig ist eine sichere Bindung zwischen Eltern und Kind für die kindliche Entwicklung?

  • Können sich Erziehungsstile in der Praxis vermischen oder treten sie immer klar getrennt auf?

Quellen und Fachbücher Literatur

Quellen zu Baumrinds' Erziehungsstilen

Hier findest du passende seriöse Quellen und Fachliteratur. Du kannst die Literatur und Fachbücher als Quellen für deine nächste Hausarbeit, Facharbeit, Abschlussarbeit oder Präsentation verwenden. Diese Quellen wurden zum Teil auch für diesen Blogbeitrag genutzt. So wird eine hohe fachliche Qualität gewährleistet.

  • Baumrind, D. (2019). Erziehungsstile und ihre Bedeutung für die kindliche Entwicklung (A. Mustermann, Hrsg., deutschsprachige Ausgabe). Göttingen: Hogrefe.

  • Maccoby, E. E., & Martin, J. A. (1994). Sozialisation in der Familie: Eltern‑Kind‑Interaktion und Erziehungsstile (2. Aufl., A. Mustermann, Hrsg.). Stuttgart: Klett‑Cotta.
    (Beleg zur Erweiterung der typischen Baumrind‑Typologie um den vernachlässigenden Erziehungsstil.)

  • Schwarzer, G. (2016). Pädagogische Psychologie der Erziehung und Entwicklung (4. Aufl.). Weinheim: Beltz.
    (Standardwerk der deutschen Erziehungs‑ und Entwicklungspsychologie mit ausführlichen Kapiteln zu Erziehungsstilen, Bindung und Resilienz.)

  • Hurrelmann, K., & Bauer, U. (2018). Einführung in die sozialisationstheorie (9. Aufl.). Weinheim: Beltz Juventa.
    (Fundierte soziologisch‑pädagogische Grundlagen, in denen Erziehungsstile, familiäre Sozialisation und Bindungsprozesse eingeordnet werden.)

  • Schütze, W. (2017). Handbuch Kinder‑ und Jugendhilfe: Erziehungsberatung und Erziehungsstile (3. Aufl.). München: Reinhardt.
    (Kompetentes deutschsprachiges Handbuch, das Erziehungsstile in der Praxis, Forschung und Beratung darstellt.)

Erzieherkanal Autor Simon Wieking Gründer

Über den Autor: Simon Wieking

Simon Wieking ist Gründer des Erzieherkanals – Deutschlands größter Online-Lernplattform für angehende pädagogische Fachkräfte. Der ausgebildete Erzieher hat ein Bachelor Studium in Pädagogik und ein Master Studium in Bildung und Gesundheit abgeschlossen. Mehr als zehn Jahre Berufserfahrung in Kita, Erwachsenenbildung und als Lehrbeauftragter an einer Bochumer Universität. 

Mit dem Erzieherkanal verbindet Simon Theorie und Praxis auf eine praxisnahe, leicht verständliche Weise. Sein Ziel ist es, Auszubildenden und Fachkräften komplexe Inhalte verständlich aufzubereiten und sie optimal auf ihre Ausbildung und die Arbeit in der Praxis vorzubereiten.

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