Die 4 Bindungstypen nach Bowlby

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In diesem Beitrag widmen wir uns den vier Bindungstypen aus Bowlby Bindungstheorie. Die Bindungstheorie stellt eine der Grundlagentheorien aus der Psychologie und Pädagogik dar und hat einen wesentlichen Einfluss auf die praktische Arbeit. John Bowlby hat in seinen arbeiten in vier verschiedene Bindungstypen unterschieden. Diese Bindungstypen wollen wir uns einmal im Detail anschauen. Du erhältst zu jedem Typen die wichtigsten Infos, die Merkmale und die Auswirkungen. Außerdem findest du hier ein ausführliches Video zu dem Thema.

Inhaltsverzeichnis

Was versteht man unter der Bindung?

Eine Bindung wird laut der Theorie als ein emotionales unsichtbares Band der Beziehung zwischen dem Kind und seinen wichtigsten Bezugspersonen (meist den Eltern) aus der frühen Kindheit bezeichnet. Das Fundament der Bindung wird grob in den ersten drei Lebensjahren ganz maßgeblich geprägt und ist von der Zuwendung und Bedürfnisbefriedigung der wichtigsten Bezugspersonen dem Kind gegenüber abhängig.

Anhand dieser individuellen sozialen Bindungserfahrungen aus der frühen Kindheit lassen sich Zusammenhänge zu der späteren Fähigkeit des Menschen im Laufe des Lebens enge Beziehungen zu führen benennen.

Bindungstheorie Bowlby einfach erklärt Was ist Bindung

Ebenso zu emotionaler Distanz, psychischen Problemen und im positiven Fall dem starken inneren Gefühl von Sicherheit, Schutz und Vertrauen in die Mitmenschen und im negativen Fall ein starkes inneres Gefühl von anhaltenden Verlustängste, einer inneren Leere und dem Gefühl sich nicht auf die Mitmenschen verlassen zu können. Dieses starke innere Gefühl eines Menschen, egal ob jetzt positiv, negativ, sicher oder unsicher, wird in der Bindungstheorie als das innere Arbeitsmodell bezeichnet, anhand dessen werden zukünftige zwischenmenschliche Beziehungen bewertet und gestaltet. John Bowlby hat dahingehend vier verschiedene Bindungstypen kategorisiert.

Sicherer Bindungstyp

Kinder mit sicherer Bindung fühlen sich wohl und sicher, wenn ihre Eltern anwesend sind. Sie nutzen ihre Eltern als sichere Basis, um die Welt zu erkunden, und zeigen Stress, wenn die Eltern abwesend sind. Wenn die Eltern zurückkehren, suchen sie Trost und lassen sich leicht beruhigen.

Kinder mit einer sicheren Bindung speichern also innere Arbeitsmodelle ab, welche auf Verlässlichkeit, Feinfühligkeit, Unterstützung und einer Bedürfnisorientierung fußen. Kindern mit einer sicheren Bindung zeigen tendenziell ein angemessenes soziales Verhalten, sind weniger Aggressiv und empfinden sich selbst als wertvoll und liebenswert. Kinder mit einer sicheren Bindung entwickeln im späteren Verlauf ihres Lebens seltener psychische Erkrankungen, sie sind also resilienter.

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Unsicher vermeidender Bindungstyp

Kinder mit unsicher vermeidender Bindung zeigen wenig emotionale Reaktion auf die Abwesenheit ihrer Eltern und meiden oft den Kontakt, wenn die Eltern zurückkehren. Sie haben in der Vergangenheit gelernt, dass Eltern nicht oder nicht ausreichend auf ihre Bedürfnisse, Ängste und Sorgen reagieren. Sie haben als gelernt, ihre Bedürfnisse zu unterdrücken und auf Trost zu verzichten, da sie in der Vergangenheit möglicherweise nicht zuverlässig darauf reagiert haben.

Kinder mit diesem Bindungstypen empfinden sich selbst tendenziell als unwirksam und eher wenig liebenswert. Sie entwickelt häufiger Auffälligkeiten im Sozialverhalten und auch im späteren Verlauf des Lebens ist das Risiko für psychische Erkrankungen erhöht.

Unsicher ambivalenter Bindungstyp

Ambivalent bedeutet zwiegespalten oder widersprüchlich. Kinder mit diesem Bindungstypen Verhalten sich auch so. Das Erleben des Kindes ist von Misstrauen, Verzweiflung und Ärger geprägt. Das Kind hat im inneren Arbeitsmodell abgespeichert, dass Eltern wichtig sind und auch Schutz bieten können, dies aber manchmal auch gar nicht tun, ambivalent eben. Dies wirkt sich deshalb auch so auf das Erleben und Verhalten des Kindes aus. 

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In einer Trennungssituation lassen sich diese Kinder häufig nur sehr schwer von den Eltern trennen, sie klammern, schreien, brüllen, zeigen fast eine Todesangst entgegen der bevorstehenden Trennung. Kommen die Eltern wieder, zeigen sich wieder ambivalente Verhaltensweisen. Es kann sein, dass das Kind den Eltern in den Arm fällt, endlich Schutz erfährt, dabei aber total überfordert und verärgert ist, dass die Eltern es im Stich gelassen haben.

So kann es sein, dass ein Kind den Eltern erleichtert in den Arm fällt, aber gleichzeitig schlägt und sie anbrüllt. Ein Pendeln zwischen starker Nähe und starker Ablehnung. Diese Bindungserfahrung mit dem gespeicherten inneren Arbeitsmodell kann für spätere zwischenmenschliche Beziehungen deutliche Folgen haben, beispielsweise in Partnerschaften.

Desorganisierter Bindungstyp

Der desorganisierte Bindungstyp ist am kritischsten zu betrachten mit den negativsten Folgen für das Kind und seine Entwicklung. Das innere Arbeitsmodell des Kindes ist durch ein Inkohärenz, Unvorhersehbarkeit und vollkommener Desorganisation geprägt. Das Ganze macht sich vor allem in Trennungssituationen bemerkbar. Dieser Bindungstyp ist vor allem durch massiv instabile und oft traumatische Eltern-Kind Beziehungen entstanden.

Das Kind hat verinnerlicht, dass die wichtigsten Bindungspersonen (also in der Regel die Eltern) nicht nur nicht die Bedürfnisse erfüllen oder sie nicht wahrnehmen, sondern sie haben verinnerlicht, dass eine starke Gefahr von den Eltern ausgeht. Beispielsweise körperliche Gewalt, seelische Gewalt und Schlimmeres.

Das Erleben und Verhalten der Kinder ist in Trennungssituationen nicht vorhersehbar, es kann alles passieren, das gleiche gilt beim Zurückkommen der Eltern.

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Es ist möglich, dass die Kinder sich selbst verletzten, voller Furcht wegrennen, andere Kinder oder Erwachsene angreifen, vollkommen Erstarren, den Kopf gegen die Wand schlagen und Weiteres.

Dieses verinnerlichte Arbeitsmodell hat oft weitreichend negative Folgen für spätere zwischenmenschliche Beziehungen, bis hin zu einer Unfähigkeit diese einzugehen. Personen dieses Bindungstyps entwickeln in der Regel spätestens im Erwachsenenalter psychische Auffälligkeiten.

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Wichtige Info zu den Bindungstypen

Es ist wichtig zu beachten, dass die Bindungstypen nicht für immer in Stein gemeißelt sind und es innerhalb eines Bindungstypens auch ein großes Spektrum gibt. Außerdem können sich Bindungstypen im Laufe der Zeit entwickeln. Sie werden durch die Interaktionen zwischen Eltern und Kindern sowie durch äußere Umstände beeinflusst.

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