Berliner Eingewöhnungsmodell im Kindergarten

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Das Berliner Modell zur Eingewöhnung hat sich seit den 1990er Jahren zu dem gängigsten Eingewöhnungsmodell in Kindergärten entwickelt. Die meisten Einrichtungen gewöhnen neue Kinder nach diesem Modell ein. Aber was genau steckt eigentlich hinter dem Berliner Modell zur Eingewöhnung in Kindertagesstätten und was macht das Berliner Modell so erfolgreich?

Inhaltsverzeichnis

Was versteht man unter Eingewöhnung in der Kita?

Unter Eingewöhnung versteht man den Start, vor allem aber den Übergang des Kindes in eine Kindertageseinrichtung. Das bedeutet, dass das Kind nicht einfach in der Einrichtung abgegeben werden sollte. Die Eingewöhnung verfolgt das Ziel, dem Kind einen guten Übergang in die Kindertagesbetreuung zu ermöglichen. Das wird vor allem durch eine gute Beziehung zwischen Kind und pädagogischer Fachkraft möglich.
Um eine wirklich gute Eingewöhnung zu ermöglichen ist es notwendig, dass sich die Einrichtung und auch die primäre Bindungsperson (also in der Regel ein Elternteil) Zeit nimmt und unterstützend wirkt. Die primäre Bindungsperson sollte das Kind mehrtägig in die Betreuungseinrichtung begleiten. Wie das im Berliner Eingewöhnungsmodell konkret aussieht, werde Grundlage hier sind die Erkenntnisse aus der Bindungstheorie. ich im Laufe dieses Beitrags bei den einzelnen Phasen noch erläutern.

Die Wissenschaft und Forschung ist sich einig und sicher, dass eine Eingewöhnung unabdingbar für das Kind ist. Ein Forschungsprojekt zur Eingewöhnung kam zu dem Ergebnis, dass Kinder ohne Eingewöhnung bis zu vier mal häufiger krank waren, häufiger ängstliches Verhalten zeigten und die vielfältigen Angebote einer Einrichtung gar nicht erst nutzten. Weitere Studien kamen zu dem Ergebnis, dass sich die abrupte Trennung ohne Eingewöhnung nachhaltig negativ auf Bindungsbeziehungen der Kinder auswirkt, vor allem wenn die Kinder jünger als 3 Jahre sind.

Was versteht man unter dem Berliner Modell?

Um diesen oben beschriebenen Übergang nicht dem Zufall zu überlassen, wurden Modelle und Konzepte entwickelt. Das bekannteste Eingewöhnungsmodell für den Elementarbereich ist das Berliner Eingewöhnungsmodell. Das Berliner Eingewöhnungsmodell wurde vom Institut für angewandte Sozialforschung / frühe Kindheit, kurz INFANS, entwickelt. Das Besondere bei dem Eingewöhnungsmodell ist es, dass es einen Ablaufplan gibt und das Modell auf dem theoretischen Konzept der Bindungstheorie von John Bowlby fußt.

Auch wenn es einen Ablaufplan gibt ist es dennoch wichtig zu erwähnen, dass die Eingewöhnungszeit individuell auf das Kind angepasst werden sollte. Der Ablauf der Eingewöhnungszeit ist von verschiedenen Faktoren abhängig.

Wie läuft das Berliner Eingewöhnungsmodell ab?

Es ist sinnvoll im Vorfeld einige Dinge zu klären um die Eingewöhnung gut vorzubereiten. Es ist wichtig, dass die Eltern des Kindes unterstützend mitwirken. Vor allem sollte die Einrichtung, im Vorfeld an die eigentliche Eingewöhnungszeit, den Eltern den Ablauf dieser kommunizieren, darstellen und vor allem die Wichtigkeit unterstreichen.

Insgesamt sollten Eltern ganz grob davon ausgehen, dass sie etwa 2 bis 4 Wochen in die Eingewöhnung intensiver mit eingebunden werden. In der Zeit ist es wichtig, dass keine weiteren großen Stressoren auf das Kind wirken, beispielsweise ein Umzug, aber auch ein längerer Urlaub würde der Eingewöhnung schaden, da es zu einer Unterbrechung im Beziehungsaufbau zwischen Kind und pädagogischer Fachkraft kommt. Es ist möglich, dass dann die Eingewöhnung von vorne beginnen muss oder sie einfach negativ verläuft.

Es kann auch hilfreich sein, wenn die pädagogische Fachkraft im Vorfeld Informationen über das Kind erhält, beispielsweise über das Lieblingsspielzeug oder Kuscheltier, oder andere Dinge mit denen das Kind etwas positives verknüpft.

Phasen des Berliner Modells zur Eingewöhnung

Die Grundphase

Diese Phase des Berliner Modells dauert etwa drei Tage. In dieser Phase kommt das Kind zum ersten mal so richtig in die Einrichtung. Die primäre Bindungsperson (also in der Regel ein Elternteil) begleitet dabei das Kind. Der zeitliche Rahmen des Aufenthalts in der Einrichtung in dieser Phase sollte etwa zwischen ein und zwei Stunden liegen.

Die Rolle der Begleitperson des Kindes ist in dieser Phase der sichere Hafen, das bedeutet, sie sollte sich möglichst passiv verhalten, bei Bindungs- und Pflegeverhalten dem Kind aber sofort Sicherheit und Schutz bieten. Dadurch lernt und verinnerlicht das Kind immer mehr, dass die Einrichtung kein gefährlicher Ort ist und auch von den pädagogischen Fachkräften keine Gefahr ausgeht.

Die Fachkraft versucht erste Kontakte zu dem Kind aufzunehmen und bietet Spielangebote. Es ist wichtig, dass in dieser Phase keine Trennungsversuche stattfinden. Vor allem ist es wichtig, dass der Personalschlüssel der Einrichtung ausreichend ist, sodass die pädagogische Fachkraft entsprechend Zeit und Kapazität für die Eingewöhnung zur Verfügung hat.

Der erste Trennungsversuch

Am vierten Tag erfolgt der erste Trennungsversuch. Es sollte wirklich erstmal nur als ein Versuch angesehen werden. Dabei verabschiedet sich die primäre Bindungsperson von dem Kind und verschwindet aus dem Blickfeld des Kindes. Wichtig ist, dass die Bindungsperson, also das Elternteil, in Reichweite bleibt. Kinder reagieren auf den ersten Trennungsversuch sehr unterschiedlich. Lässt sich das Kind schnell beruhigen, dann sollte die erste Trennungsphase ca. 30 Minuten dauern, dann sollte das Elternteil zurück zum Kind kehren. Beruhigt sich das Kind gar nicht und ist kaum zu bändigen, dann sollte der Trennungsversuch abgebrochen werden, maximal nach drei Minuten.

Die Stabilisierungsphase

Diese Phase des Berliner Modells beginnt am fünften Tag der Eingewöhnung. Ist der fünfte Tag der Eingewöhnung ein Montag, dann sollte diese Phase am sechsten Tag der Eingewöhnung beginnen. Die primäre Bindungsperson wird immer passiver, die pädagogische Fachkraft immer aktiver, sie kann in dieser Phase auch schon die Versorgung des Kindes übernehmen, beispielsweise das Wickeln oder Füttern. Die beschriebenen Trennungsversuche aus der vorherigen Phase werden zeitlich verlängert, solange es das Kind im Rahmen zulässt. Sind die Trennungen nicht möglich, sollten erst in der darauffolgenden Woche weitere Trennungsversuche mit verlängerten Zeiten unternommen werden.

Woran merkt man, dass die Eingewöhnung nach dem Berliner Modell gut verlaufen ist?

Die Eingewöhnung nach dem Berliner Modell ist gut und stabil verlaufen, wenn sich das Kind in den Trennungsphasen von der pädagogischen Fachkraft trösten und beruhigend lässt und anschließend aktiv und neugierig beginnt die Umwelt und Einrichtung zu erkunden, es beispielsweise Interesse an Spielsachen und anderen Menschen zeigt. Wenn dieser Punkt erreicht ist, kann das Kind mehrere Stunden in der Einrichtung verbringen. Die primäre Bindungsperson muss nicht anwesend sein und auch die Anwesenheit der Bezugsfachkraft ist nicht mehr dauerhaft und zwingend notwendig.

Das Kind kennt den sicheren Hafen, weiß, dass es bei Problemen zur Bezugsfachkraft kommen kann und im Notfall auch die primäre Bindungsperson kommt. Dennoch sollten vor allem in der ersten Zeit nach der Eingewöhnung die Eltern bei Notfällen erreichbar sein.

Hier findest du außerdem ein Video allgemein zum Thema Eingewöhnung und Transitionen.

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